Auf unserem Landesparteitag am kommenden Samstag probieren wir mal wieder einiges aus. Neben unserer Online-Redaktion gibts auch eine Twitterwall, einen aktuellen FlickR-Stream, Live-Ticker auf der Homepage und (sollten wir noch irgendwo ein UMTS-Netz auftreiben) auch einen Livestream (ebenfalls auf der Homepage).

Als ganz neues Element werden wir ein public-tweeting ausprobieren. Neben dem Beamer für die Twitterwall steht dafür ein Laptop, an dem jedeR Delegierte oder Gast über unser Parteitagsaccount @ldv09 twittern kann. Ganz anonym, aber direkt für alle sichtbar. Bin mal gespannt was da passiert. Erfahrungswerte habe ich dabei gleich null, im Netz auch noch nichts ähnliches gefunden.


Kurt Beck twittert. Diese Ansage allein reichte, um einen kleinen Hype im Netz zu entfachen. Allerdings twittert er nicht selbst, sondern “in Abstimmung mit seinem Landesverband…“. Das ist erstmal nichts anrüchiges, nicht verbotenes, sondern sogar erfrischend ehrlich. Kurt Beck twittert nicht, er lässt twittern.

Es ist interessant zu sehen, wie ein Alt-Medien-Lobbyist wie Beck (nix geht über den öffentlichen Rundfunk – aka ZDF/ SWR) von seinem Landesverband auf neuem Gebiet jetzt vorgeführt wurde. Bisher sind seine ersten tapsigen Schritte auf unbekanntem Terrain eher belächelt worden, ernst genommen aber offensichtlich nicht. Seine Tweets bewegen sich auf marginal informativem – und viel schlimmer – auf marginal diskursivem Niveau. Dabei hätte es sogar schon zwei Anlässe gegeben, das Account mal so richtig durchstarten zu lassen.

1. Er kündigte sein Twittern auf dem Mainzer Mediendisput an. Dort wurde auch eine DPA-Interpretation seiner Rede zur Kenntnis genommen, in welcher er nicht forderte über Gebühren fürs Internet nachzudenken. Diskutiert wurde dieser Vorstoß natürlich auch über Twitter. Die einzige Beck’sche Reaktion war aber ganz old-fashion-like: Ein Dementi über den Presseverteiler der Staatskanzlei. Der für Beck twitternde Landesverband hatte es nicht mal geschafft, dieses Dementi zu verlinken. Fail!

2. Der Bundesparteitag der SPD! Auf bestem Wege zu einem echten running-gag ist sein erster Tweet: “Parteitag nimmt so gefangen. Mann kommt vor lauter Diskutieren kaum zum twittern. Aber schön, dass Sehnsucht nach tweets aufkommt.” Interessant wäre zu erfahren, warum zahlreiche SPD-Politiker Zeit haben zu twittern, die SPD-Mitarbeiter aber nicht? Vielleicht waren sie gar nicht vor Ort?

Dass Beck nicht mit modernen Medien umgehen kann, stimmt aber nicht. Schon 2001 glänzte er mit “Wer Kurt Beck will, wählt am Sonntag SPD” auf über 100.000 rheinland-pfälzischen Handys. Heute nennt man das allerdings Spam und datenschutzrechtlich fatal unklug.
Auch zu Nokia-Handy hat er eine Meinung (“Kommt mir nicht mehr ins Haus”).
Man weiß auch, dass er morgens nicht ins Internet schaut, dafür aber bald WLan?? im Auto hat.

Kurt Beck ist kompetent und überzeugend im Internet unterwegs. Aber nicht bei Twitter. Er ist ein klassischer wkw-ler, jemand der seine offline-Gewohnheiten einfach im Internet weiterleben möchte. Sich mir über 60 noch so zu verrenken nehme ich ihm einfach nicht mehr ab.

Und ganz am Rande: Wenn der Rundfunkpolitiker Beck im Internet punkten will, sollte er ine Debatte über seine bisherige Politik in Bezug auf die Öffentlich-rechtlichen im Internet nicht schäuen. Dieses Fass will ich jetzt aber gar nicht aufmachen, hier fehlen mir schlicht die Wort. Heise nimmt mir dankbarerweise den Job hier ab.


Twitter wird im online-politischen Bereich immer stärker genutzt. Daher wurde es Zeit, für Rheinland-Pfalz eine Übersicht mit regen Twitter-Accounts zu erstellen.  Wer sich oder andere vermisst, kann es entsprechend kommentieren, ich ergänze regelmäßig. Die Updates sind auch gesammelt unter den Kategorien aufgeführt.

Update 9. August: nach langer Pause habe ich mal wieder gesucht und ergänzt. Scheinbar gab es eine SPD-Dienstanweisung zum twittern, 9 der 18 Neuzugänge sind rot.
Update 19. April: Drei Liberale sind gefunden. Auch ein Schwarzer versucht sich, allerdings bleibts bisher beim Versuch. Sein Profil ist geschützt.

Als Aufnahmekriterium gilt: Ein erkennbarer Teil der Tweets muss sich auf rheinland-pfälzische (Landes- oder Kommunalpolitik) beziehen, oder die Person oder Organisation muss eine RLP-spezifische Rolle inne haben. Außerdem sollte in den letzten Wochen auch mal was getwittert worden sein.
Solltet ihr noch Vorschläge für eine weitere Kategorie haben, kann es natürlich auch gerne entsprechend kommentiert werden.

RLP-Liste:

1. Politik:
a) Parteien

GRÜNE:

GRÜNE Rheinland-Pfalz
Josef Winkler, MdB
- Ulrike Höfken, MdB
Daniel Köbler, Landesvorstandssprecher GRÜNE RLP
Pia Schellhammer, Landesvorstandsprecherin GRÜNE Jugend
Felix Schmitt
Hani Faddoul
Oliver Buschbaum
Tobias Lindner
Claudia Laux
Thomas Wilk
Michael Thierbach
Andreas Press
GRÜNE Bad Kreuznach
Florian Altherr
Carl-Bernhard von Heusinger
Silke Dietz
Andreas Ackermann
Sabine Hackbarth

SPD:

SPD Rheinland-Pfalz
- Ursula Mogg, MdB
- Sabine Bätzing, MdB
Alexander Schweitzer, MdL
Manfred Nink, MdL
Hans-Jürgen Noss, MdL
Ulla Brede-Hoffmann, MdL
Martin Haller, MdL
David Langner, MdL
Heike Raab, MdL
Jutta Steinruck, MdEP
Thorsten Jung
Thomas Mockenhaupt
Carsten Werner
Tanja Machalet
Anja Wüste
Christian Altmaier
Jusos RLP
Fabian Löffler

CDU:
Julia Klöckner, MdB
Michael Fuchs, MdB
Erwin Rüddel, MdL
Thomas Gerster

FDP:
Volker Wissing, MdB
Walter Jung
Manuel Höferlin

weitere:
- Piratenpartei RLP

Linkspartei:

b) NGOs

Landjugend Rheinhessen-Pfalz
- Verdi-Jugend RLP

2. Medien:

- Rhein-Zeitung
Christian Lindner, Chefredakteur Rhein-Zeitung
Trierischer Volksfreund
SWR Rheinland-Pfalz Nachrichten (posten nur)
Rheinpfalz (ganz schwacher Auftritt…)
Allgemeine Zeitung

3. sonstiges:

- Karl Keule
Ottmar Miles-Paul (Landesbehindertenbeauftrager RLP)

Aktualisierungen:
9. August: Christian Altmaier, Michael Fuchs, MdB, Ursula Mogg, MdB, Ulrike Höfken, MdB, Julia Klöckner, MdB, Sabine Bätzing, MdB, Jutta Steinruck, MdEPThomas Gerster, Martin Haller, MdL, Allgemeine Zeitung, Rheinpfalz, Jusos-RLP, David Langner, MdL, Heike Raab, MdL, Fabian Löffler, Sabine Hackbarth, Andreas Ackermann, Silke Dietz,
16. Juni: Ottmar Miles-Paul, Anja Wüste, Florian Altherr, Carl-Bernhard von Heusinger
19. April: Erwin Rüddel, MdL
7. April: Volker Wissing, MdB, Manuel Höferlin
6. April: Karl Keule, Piratenpartei RLP, Walter Jung


Eigentlich eine simple Feststellung, dass auch kleine Diskussionen via Twitter von Dritten wahrgenommen wird. Ist ja Sinn der Sache, die eigenen kleinen Häppchen an alle Follower verteilen zu lassen.  Sicherlich machen sich manche aber nicht bei jedem kleinen Post die gleichen umfangreichen Gedanken über Formulierungen und Botschaften, wie es vielleicht bei einer Presseerklärung oder einen öffentlichen Statement geschieht. Sie sind persönlicher, spontaner und gerne mal impulsiv oder unüberlegt. Da bietet es sich für die Journalistinnen und Journalisten ja geradezu an, die rege twitternde Gemeinde nach Skandälchen und Skandalen zu scannen. Vielleicht findet sich ja was. Solange dabei nur ein spaßiger Aufhänger der TAZ entsteht, ist das noch lustig. So schreibt die TAZ in einem Portrait über die junge Generation grüner Landesvorstandssprecher über folgende kleine Posts zwischen Köbler und Winkler:

“JosefWinkler Petition zum bedingungslosen Grundeinkommen bringt Bundestagsserver zum Absturz… Ab jetzt läuft das System wieder… #e-petitionen”

“daniel_koebler @JosefWinkler höchste Zeit deine Position zum Grundeinkommen nochmal zu überdenken, oder? ;-)”

“JosefWinkler @daniel_koebler ich habe immer gesagt, wenn es ein durchgerechnetes Modell gibt, das nicht von g.werner sondern von Grüns kommt, dann los…”

Im Prinzip ist dieser Dialog nicht an Belanglosigkeit zu überbieten, trotzdem spielt er nun eine Rolle in den alten Medien und brachte den darauf angesprochenen Daniel Köbler wohl ein wenig in Verlegenheit. “Ein wenig unbehaglich klingt sein Lachen aber auch. Parteien im Wahlkampf können es nicht gebrauchen, wenn ihre internen Streitereien öffentlich werden.”
Aber was, wenn nun nicht die TAZ sondern ein anderes Medium Twitter genau nach solchen Skandälchen durchforstet und zum richtigen Zeitpunkt veröffentlicht? Muss das Twitter-Account nun vielleicht doch in die Hände von Kommunikations-Profis (die sich außerhalb von Wahlkämpfen eh niemand leisten möchte) gelegt werden? Oder ist Twitter doch kein geeignetes Medium für Politiker?

Isoliert betrachtet stimmt das vielleicht. Twitter ist wie fast jedes Web 2.0-Kommunikationsmittel mit erheblichem Kontrollverlust verbunden. Wahrscheinlich ist es aber eher richtig, dass die Internet-affine Wählergemeinschaft der Grünen solche Überlegungen nicht wirklich goutieren würde. Aber sicherlich sollten sich twitternde Politiker ihre Gedanken machen über das was sie da schreiben. So unverbindlich und verspielt Twitter wirkt, es wird nicht nur von Freunden und freundlich gesinnten gelesen.


Noch bis heute findet in Dortmund die erste Bundesdelegiertenversammlung (BDK) der Grünen statt. In drei Tagen wurden das Programm abgestimmt und 25 Kandidaten zur Europawahl gewählt. Das andere Parteien Europa in wenigen Stunden abfeiern, sei nur mal am Rande erwähnt. Jede BDK ist sowas wie ein großes Familientreffen. Viele Grüne, die man sonst nur aus Arbeitszusammenhängen kennt, bekommen Gesichter und Geschichten.

Als Daheimgebliebener stellt sich mir heute aber eine Frage: Welchen Nutzwert hätte mir persönlich eine Teilnahme überhaupt gebracht? Über das Internet, besonders über Blogs und Twitter war ich wohl nie besser über Abläufe, Diskussionen und Hintergründe informiert.  Dazu bot der Bundesverband auch einen (noch deutlich verbesserungsbedüftigen) Livestream an und stellte alle Entscheidungen promt online.

Besonders bemerkenswert war das rege getwitter vom Parteitag. Nicht nur der Bundesverband war sekundenschnell mit Wahlergebnisse zur Hand, auch eine ganze Menge Delegierter berichteten aus ihrer Sicht über die Vorgänge.  Ich konnte mich vollkommen auf Volker Beck, Themroc (aka Lars Brücher), Malte Spitz, Ska Keller, Zeitrafferin (aka Julia Seeliger) und noch einige andere verlassen.  Auch die Reformer- bzw Linkentreffen am Rande der BDK wurde fröhlich kommentiert. Ausführlichere Infos zum Vorgehen vor Ort gabs von de fünf Bloggern Bastian Dietz, Korbinian Deuchler, Achim Meißner, Heiner Otterstedt und Marcel Emmrich. Sie konnte auf Kosten und mit Unterstützung des Bundesvortandes ihre Eindrücke des Parteitages in ihrem persönlichen Blog darlegen. Das alle 5 auch twittern, muss ich wohl nicht noch extra erwähnen.

Also was wäre der Nutzwert einer Teilnahme für mich gewesen? Ich hätte vielleicht schon mehr Informationen zum geplanten Mitglieder- und Interessiertennetz des Bundesverbandes. Die Betaversion dazu startet im Februar, offizieller Launch ist am 1. März. Wie viel mehr Information könnte man mir dort offline bieten? Vielleicht hätte ich noch ein paar mehr Grüne aus Rheinland-Pfalz zum twittern bringen können. Aber auch ohne mich haben es die Grünen Bad Kreuznach und Claudia Laux geschafft und sich eigene Accounts zugelegt. Und unser Twitter-Account des Landesverbandes hat an diesem Wochenende fast ein Dutzend neue Follower gefunden.

Und der Familiencharakter? Hier hängts noch irgendwie mit dem 2.0. Weder wurde von den Nachbesprechungen bei Bier und Wein getwittert, noch stellte sich am Bildschirm ein Gemeinschaftsgefühl ein.  Weniger schmerzlich vermisse ich aber den morgendlichen Kater, der sich regelmäßig vormittags in der Halle eingestellt hatte.
Vielleicht teste ich bei der kommenden BDK nochmal die andere Perspektive und entscheide dann: BDK, persönlich oder virtuell?

p.s. ein wirklich interessanter Eintrag von Bastian Dietz möchte ich besonder erwähnen: “Zentrum, nicht mehr Beiboot”: Grüne bereiten sich auf Online-Wahlkampf vor

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.