15. November 2009
Kurt Beck twittert. Diese Ansage allein reichte, um einen kleinen Hype im Netz zu entfachen. Allerdings twittert er nicht selbst, sondern „in Abstimmung mit seinem Landesverband…„. Das ist erstmal nichts anrüchiges, nicht verbotenes, sondern sogar erfrischend ehrlich. Kurt Beck twittert nicht, er lässt twittern.
Es ist interessant zu sehen, wie ein Alt-Medien-Lobbyist wie Beck (nix geht über den öffentlichen Rundfunk – aka ZDF/ SWR) von seinem Landesverband auf neuem Gebiet jetzt vorgeführt wurde. Bisher sind seine ersten tapsigen Schritte auf unbekanntem Terrain eher belächelt worden, ernst genommen aber offensichtlich nicht. Seine Tweets bewegen sich auf marginal informativem – und viel schlimmer – auf marginal diskursivem Niveau. Dabei hätte es sogar schon zwei Anlässe gegeben, das Account mal so richtig durchstarten zu lassen.
1. Er kündigte sein Twittern auf dem Mainzer Mediendisput an. Dort wurde auch eine DPA-Interpretation seiner Rede zur Kenntnis genommen, in welcher er nicht forderte über Gebühren fürs Internet nachzudenken. Diskutiert wurde dieser Vorstoß natürlich auch über Twitter. Die einzige Beck’sche Reaktion war aber ganz old-fashion-like: Ein Dementi über den Presseverteiler der Staatskanzlei. Der für Beck twitternde Landesverband hatte es nicht mal geschafft, dieses Dementi zu verlinken. Fail!
2. Der Bundesparteitag der SPD! Auf bestem Wege zu einem echten running-gag ist sein erster Tweet: „Parteitag nimmt so gefangen. Mann kommt vor lauter Diskutieren kaum zum twittern. Aber schön, dass Sehnsucht nach tweets aufkommt.“ Interessant wäre zu erfahren, warum zahlreiche SPD-Politiker Zeit haben zu twittern, die SPD-Mitarbeiter aber nicht? Vielleicht waren sie gar nicht vor Ort?
Dass Beck nicht mit modernen Medien umgehen kann, stimmt aber nicht. Schon 2001 glänzte er mit „Wer Kurt Beck will, wählt am Sonntag SPD“ auf über 100.000 rheinland-pfälzischen Handys. Heute nennt man das allerdings Spam und datenschutzrechtlich fatal unklug.
Auch zu Nokia-Handy hat er eine Meinung („Kommt mir nicht mehr ins Haus“).
Man weiß auch, dass er morgens nicht ins Internet schaut, dafür aber bald WLan?? im Auto hat.
Kurt Beck ist kompetent und überzeugend im Internet unterwegs. Aber nicht bei Twitter. Er ist ein klassischer wkw-ler, jemand der seine offline-Gewohnheiten einfach im Internet weiterleben möchte. Sich mir über 60 noch so zu verrenken nehme ich ihm einfach nicht mehr ab.
Und ganz am Rande: Wenn der Rundfunkpolitiker Beck im Internet punkten will, sollte er ine Debatte über seine bisherige Politik in Bezug auf die Öffentlich-rechtlichen im Internet nicht schäuen. Dieses Fass will ich jetzt aber gar nicht aufmachen, hier fehlen mir schlicht die Wort. Heise nimmt mir dankbarerweise den Job hier ab.