13. Oktober 2010
Rheinland-Pfalz atmet auf: Endlich wird wieder gehandelt, werden wieder die wirklich wichtigen Themen aufgefriffen!
Gestern:
Der CDU-Generalsektretär ist entsetzt. Die SPD verteilt rote Brotdosen mit Werbung für das jetzt kostenlose zweite Kindergartenjahr.
Damit instrumentalisieren die SPD-Kandidaten unsere Kinder als mobile Werbeträger. Unsere Kindergärten müssen frei von Wahlkampf bleiben. Da die Aktion nicht nur an einem Ort sondern offenbar organisiert über das ganze Land stattfand, gehen wir davon aus, dass sie direkt aus Mainz gesteuert und damit im Wissen des Landesvorsitzenden Beck durchgeführt wurde. Stellenweise sollen die Brotdosen den Kindern sogar im Kindergarten auf den Tisch gelegt worden sein. Das ist nicht nur niveaulos, sondern verboten.
Die SPD-Generalsekretärin wittert eine groteske Unterstellung. Schließlich seien die Brotdosen nur an Eltern verteilt worden. Außerdem:
Die Kritik von Herrn Rosenbauer ist grotesk und zeugt von einem schlechten Stil. Um weitere Peinlichkeiten zu vermeiden, kann man Herrn Rosenbauer nur dringend ein Gespräch mit seinem Parteifreund Wolfgang Reichel, CDU- Landtagskandidat und Umweltdezernent in Mainz, ans Herz legen, der ebenfalls im August Brotdosen an Kinder in Schulen verteilt hat. Oder er soll Frau Dickes fragen, CDU- Landtagsabgeordnete, die regelmäßig Kindertagesstätten besucht und dort Geschenke verteilt.
Die CDU gibt noch am gleichen Tag zum Brotdosen-Krieg motzig bekannt:
SPD hat Brotdosen doch an Kinder verteilt!
Nachdem das jetzt geklärt wäre (was eigentlich?), treibt die CDU heute die nächste Sau durchs Dorf. Das Schweineschnitzel. Julia Klöckner erkennt in der Landesregierung Integrationsverhinderer. Immerhin:
Klöckner sieht keine Lösung darin, kein Schweinfleisch [in Schulkantinen] mehr anzubieten. „Es geht nicht an, dass in der Kantine der Speiseplan zensiert wird. So ein Vorgehen leistet der Integration einen Bärendienst. Selbstverständlich muss es in einer deutschen Schule möglich sein, dass auch Schweinefleisch zur Auswahl steht.“
Gespannt warten wir auf die Reaktion der SPD. Sie kann das schließlich nicht auf sich sitzen lassen. Was ein Vorwurf: Zensur! Speiseplan-Zensur! Schweineschnitzel-Zensur! Integrations-Zensur! Deutsche-Kultur-Zensur!
Man wird doch noch sagen dürfen: Schweineschnitzel gehört in jede gute Schulkantine.
Auch wenn es der Kollegin Pressesprecherin in den Fingern juckt, sie will es nicht (öffentlich) kommentieren. Es fiele ihr auch schwer, das Schweineschnitzel zu stützen. Immerhin ist sie Vegetarierin. Wie der Tipper dieser Zeilen auch. Integrationsverweigerer eben.
Vorschlag zur Güte: Wer sein Kind unbedingt mit Schweineschnitzel in der Schule mästen möchte, befülle doch eine rote Brotdose mit entsprechendem Inhalt.
Update: Anscheind ist die CDU-Presseerklärung mit der Behauptung, dass die SPD Speisekarten-Zensur betreibt, der CDU-Zensur zum Opfer gefallen. Die Presseerklärung ist nirgendwo mehr auffindbar. Skandal!
Update II: Die CDU hat aus dem Schweineschnitzel-Skandal (gestern) jetzt einen Schnitzel-Streit gemacht. Auch schreibt nicht mehr die Vorsitzende Julia Klöckner, sondern die zwei, äh, dritte Reihe. Übrigens sind alle Zensur- und Integrationsverhinderungsvorwürfe verschwunden. Da hatte wohl nochmal jemand nachgedacht.
