Der JMStV ist also tot. Soweit so gut. Trotzdem brauchen wir eine Überarbeitung des bestehenden Entwurfs des Staatsvertrags, der bisher von Politik und Anbietern wegen seiner Unpraktikabilität ignoriert wurde. Einen echten Jugendschutz im Internet gab es also nie. Die Reaktion von Kurt Beck auf die (voraussichtliche) Entschiedung in Nordrhein-Westfalen zeugt dabei von zweierlei:

1. Auch so eine trockene Materie wie ein Staatsvertrag kann bei Kurt Beck emotionale Reaktionen hervorufen.

2. die Forderung von Beck “Basierend auf den derzeitigen rechtlichen Grundlagen werden die Jugendschutzbehörden Sperrverfügungen erlassen.” disqualifiziert ihn als zukünftig federführenden Politiker bei einer Novelle.

Wir sollten die Chance nutzen, die sich durch die Debatte um den JMStV ergeben hat und den Umgang mit dem Internet aus der Ecke des Rundfunks herausholen. Neue Medien von Rundfunkpolitikern regulieren zu lassen war und ist falsch. Bevor der Streit um eine Neufassung des JMStV wieder entbrennt, brauchen wir eine Debatte um den Umgang mit netzpolitischen Themen in der Politik. Als Konsens dürfte dabei sich weitesgehend durchgesetzt haben, Internet mit klassichen Rundfunk-Mechanismen zu begegnen ist nicht zielführend. Auch dass die Wirkungsmöglichkeiten von Politik im Internet in einer Demokratie nur begrenzt sind, dürfte nach der Debatte um Zensursula klar sein. In einigen deutschen Parlamenten haben sich Enquete-Kommissionen der Netzpolitik angenommen. Wir sollten ihre Ergebnisse im Lichte der Ablehnung des JMStV diskutieren und zu einer bundesweit gültigen Lösung kommen. Einen Vorschlag wie ich mir das vorstelle, kann und will ich dabei nicht anbieten. Sicher bin ich mir aber (um in Kurt Beck’s Wortschatz zu bleiben):

Wenn Du entdeckst, dass Du ein totes Pferd reitest, steig ab!

Like This!

Große Empörung über Roland Koch gab es vor ein paar Monaten. Er vertrieb mit seinem “schwarzen Freundeskreis” den angeblich zu SPD-nahen Chefredakteur Nikolaus Brender aus dem Sender. Der Streit wurde zum Symbol der fehlenden Staatsferne des öffentlichen Rundfunks und führte zu einer Normenkontrollklage gegen den ZDF-Staatsvertrag und einer Debatte um die Rolle der Politik im öffentlichen Rundfunk.

Galt der Sieg von Koch noch als Beweis, dass der Einfluss der CDU im Rundfunkrat größer ist als jener der SPD, scheint sich dies gerade zu drehen. Zwar lamentierte selbst Kurt Beck über den Einfluss der Politik beim ZDF, aber still und heimlich wurde hinter den Kulissen an einem Ausbau der SPD-Macht gearbeitet. Federführend in der Mainzer Staatskanzlei, vom Chef der Staatskanzlei Martin Stadelmaier persönlich.

Wie der Stern jetzt schreibt, soll eben dieser Martin Stadelmaier neuer Verwaltungsdirektor des ZDF werden. Er folge auf den bisherigen Verwaltungsdirektor Suchan, welcher in naher Zukunft pensioniert werden soll. Das ist gleich aus zweierlei Punkten spannend.

1. Martin Stadelmaier gilt als einer der Hauptstrategen der SPD-Landesregierung. So kurz vor der Landtagswahl 2011 seinen Organisator zu verlieren, ist sicherlich nicht schick für Kurt Beck (ist eigentlich einen eigenen Blogeintrag wert).

2. Martin Stadelmaier ist schon jetzt  der Oberklüngelmeister der SPD-Medienpolitik. Zuständig für alles was den öffentlich Rundfunk betrifft.

Neben dieser Personalie beschreibt der Stern auch, wie sich in der Senderpolitik das Machtgefüge zwischen CDU und SPD verschoben hat. Mir ist es eigentlich wurst in welche Richtung sich dies verschiebt, dass es wohl die entscheidende Fragestellung bei Besetzung und Beförderung ist, das ist es was mich stört. Und wenn der Stern schreibt,

Dennoch kann die SPD insgesamt wohlgefällig auf die internen Verschiebungen im ZDF seit Brenders Zwangsabgang schauen

läuft es mir kalt den Rücken runter. Ich bin zwar nicht naiv, aber so derbe durch die Politik beschlagnahmt wie das ZDF sind wohl nur wenige andere Rundfunkanstalten. Und auf Kurt Beck hoffen, der ja selbst Klage gegen den ZDF-Staatsvertrag erhoben hat, wäre wohl auch ein Schuss ins Knie. Hätte mich auch gewundert, wenn die Kröte ihren eigenen Tümpel trocken gelegt hätte.

p.s. mir ist nicht bekannt, wann ein Nachfolger für Suchan benötigt wird. Halb so spannend, wenn es nach der Landtagswahl 2011 geschehen würde. Aber wahrscheinlich ist es doch.

edit 20. Juli: Kurt Beck sagte heute auf einer Pressekonferenz, dass der bisherige Verwaltungsdirektor einen Vertrag bis 2014 habe und diesen auch erfüllen wird.  Zu anderen Planspielen wollte sich Beck nicht äußern.

Mithilfe von “ganz großem Milliardärsadel” wollte Kurt Beck die Privatfinanzierung des Nürburgrings stemmen. Auf einem Kontoauszug dieses Menschen präsentierte der windige Finanzvermittler Urs Barandun eine Kontostand von 138 Millionen Euro. Dumm nur, der Kontoauszug muss gefälscht gewesen sein. Auf dem Konto befanden sich niemals mehr als 500 $. Für einen Spross aus “ganz großem Milliardärsadel” ein eher putziges Taschengeld. Wenig verwunderlich, dass es beim Einlösen von Schecks in Millionenhöhe hoch her ging, und der Finanzminister zurücktreten musste. Der Traum war geplatzt.

Wie im Märchen

Die gemütliche Vertrautheit, mit denen die Provinzregierung von Rheinland-Pfalz und die globale Hochfinanz (bzw. deren zwielichtige Vertreter) verhandelten, erinnert mich fatal an Andersens Märchen. Irgendwie sollte das Wunderbare in die Wirklichkeit des Alltag übertragen werden. Die Realität diente nur als Aufhänger für den Glauben an das Wunderbare, an das Fantastische der kindlichen Naivität. In dieser Welt braucht es kein Misstrauen, das Böse ist verbannt in Gestalten, denen man ihre üblen Absichten auf den ersten Blick ansieht. Beispielsweise in “Des Kaisers neue Kleider”, diese “Erzählung wird gelegentlich als Beispiel angeführt, um Leichtgläubigkeit und die unkritische Akzeptanz angeblicher Autoritäten und Experten zu kritisieren“. In diesem Märchen reichte allerdings am Ende der Ruf eines Kindes um den Schwindel auffliegen zu lassen. Um die Landesregierung zweifeln zu lassen, benötigte es doch ein wenig mehr an Hallo Wach!

Irgendwas gelernt?

Manchmal kommen da schon Zweifel. Ein Beispiel: Die Frankfurter Staatsanwältin Posner hatte drei Wochen vor dem Auffliegen des ungedeckten Kontos eine Geldwäscheanzeige erhalten. Auch sonst war sie skeptisch und sagte im Untersuchungsausschuss, dass der Verdacht gegen Beteiligte Geschäftsmänner sei damals im Juni 2009 “mit den Händen greifbar” gewesen. Zwar stellte sich der Geldwäscheverdacht als unbegründet dar, aber hätte man den Anlass genutzt um nachzuforschen, die Landesregierung hätte schon früher festgestellt, dass sie scheinbaren Betrügern aufsitzt. Und Kurt Beck kommentierte den Einwurf mit:  “eine junge unerfahrene Staatsanwältin, die halt auch mal die Chance hatte, was zu sagen”. Also bitte, gehts noch arroganter?

Oder hat König Kurt immer noch kein frecher kleiner Junge zugerufen, dass er gerade ohne Kleider vors Volk getreten ist?

An diesem Bild arbeitet seine Pressestelle in der Staatskanzlei mit Hochdruck. Eine Auswahl:

Kurt Beck: Ein Glücksfall für Mainz und Berlin

Kurt Beck: Hervorragende Arbeit in Forschung und Lehre

Ministerpräsident Kurt Beck: Ein Aushängeschild von Bad Kreuznach

Ministerpräsident Beck: Herausragender Kommunalpolitiker

Beck: Ein herausragender Finanzfachmann und Vermittler

Beck: Kompetenter Sachwalter für behinderte Menschen

Kurt Beck: Kabarett war seine Lebensaufgabe

Ministerpräsident Beck: Medien und Fußball bestimmt sein Leben

Kurt Beck: Eine Traditionsmarke für Kaiserslautern

Ministerpräsident Beck: Menschlichkeit war Maßstab seiner Arbeit

Kurt Beck: Eine resolute Politikerin und Christin

Gestern abend war Kurt Beck als Zeuge vor dem Untersuchungsausschuss Nürburgring geladen. Darüber berichtet heute auch die Presse. Hier einige Auszüge:

Tagesthemen: Ausgabe vom 23.3, hier als mp4 runterladen.

FAZ: “Beck: Ich hätte die Reisleine ziehen sollen”

Frankfurter Rundschau: “Beck schiebt Schuld auf Ex-Minister”

Rhein-Zeitung: “Beck verließ sich auf seine Minister”
Kommentar: “Keine Details bitte”
“Chronologie des Nichtwissens”

SWR: “Beck erstmals vor Untersuchungsausschuss”

Handelsblatt: “Ministerpräsident Beck gesteht Fehler ein”

Rheinische Post: “Ich hätte die Reißleine ziehen müssen”

Rheinpfalz: “Das hat mich gewurmt”
Kommentar: “Vergeigt”

Trierischer Volksfreund: “Dem Experten Deubel vertraut”

Am 9. Dezember sagte Kurt Beck im Landtag: “Ich sage noch einmal: Es wird alles aufgeklärt“. Anschließend versprach er:

“Meine Damen und Herren, mir ist es lieber, dass etwas, wenn es da ist, morgen herauskommt und öffentlich werden kann als überübermorgen. Das ist doch völlig klar. Wir werden danach handeln, weil Sie zum Ersten darauf im Untersuchungsausschuss ein Recht haben und zum Zweiten, weil auch die Öffentlichkeit einen Anspruch darauf hat, informiert zu werden”.

Diesem Versprechen ist die Landesregierung zum wiederholten male nicht nachgekommen. Auch heute waren es wieder die Medien, die Details aus der skandalösen Vergangenheit des Nürburgrings an die Öffentlichkeit brachten. Die Rhein-Zeitung veröffentlichte bristante Details aus einem Gutachten, welches die Landesregierung selbst in Auftrag gab. Darin wurden Verstöße gegen den Gesellschaftervertrag aufgezählt, luftige Kreditvergaben der GmbH angeprangert, oder das Umgehen des Aufsichtsrates vorgeworfen. In der Summe könnten diese Anschuldigungen sogar strafrechtliche Konsequenzen für den ehemaligen Finanzminister Deubel oder den Geschäftsführer Kafitz haben. Aktuell stellt sich aber auch die Frage, ob die Landesregierung, ob der Ministerpräsident Kurt Beck eine Kontrolle der Nürburgring GmbH überhaupt ausgeübt, überhaupt gewollt haben.

Landesregierung zitierte aus Ernst&Young-Gutachten – aber nur ausgewähltes

Die Landesregierung zitierte in der Vergangenheit schon mehrfach aus Ernst&Young-Gutachten. Beispielsweise die deutlich geschrumpften Besucherzahlen, oder die Erwartungen an neue Arbeitsplätze und erhöhtes Steueraufkommen. Damit ist klar, das Gutachten war bekannt! Es wäre also durchaus seit Wochen (Gutachten datiert vom 1. Dezember 2009) möglich gewesen, die Ergebnisse des Gutachtens zu veröffentlichen. Genau so wie Kurt Beck es im Landtag versprochen hatte. Er tat es nicht. Kurt Beck hat bei der Aufklärung am Nürburgring nicht mit geholfen!

Skandalös sind die Vorgänge am Nürburgring schon lange. Mal vom Sachverhalt abgesehen, die Glaubwürdigkeit der SPD-Landesregierung beim Aufklären ist weg. Sie sollte dringend einen Boxenstop einlegen, das Getriebe reparieren und endlich auf Aufklärung umschalten. Sonst wird die Pole-Position beim Zieleinlauf im März 2011 ihnen nichts genutzt haben.

p.s. Bestätigung zum Text hier oben kommt von interessanter Seite. Der ehemalige Finanzminister sagte laut SWR heute im Untersuchungsausschuss Nürburgring: “Leider habe es im vergangenen halben Jahr keine Aufklärung zu den Hintergründen der gescheiterten Finanzierung gegeben. “Ich bin ungeduldig und will wissen, was passiert ist”, sagte der Ex-Minister.

Verschiedene Medien berichten heute über einen Brief der SPD Adenau an die Landesregierung und die Landes-SPD, in dem harsche Kritik an der Politik zum Nürburgring geübt wird. Dieser Brief bekommt deshalb soviel Aufmerksamkeit, da der Ring in der VG Adenau selbst liegt. Den kompletten Brief habe ich hier dokumentiert zum nachlesen.Kritisiert wird nicht nur der politische Umgang mit dem Nürburgring durch die Landesregierung, sie fordern auch auf Verantwortung zu übernehmen und das Projekt nicht scheitern zu lassen. Besonders schlecht kommt dabei der Ministerpräsident Beck weg, dem ein eigenes Kapitel am Ende gewidmet ist.

Ursprünglich wurde er heute morgen auf der Seite von von Wilhelm Hahne publiziert.

„Liebe Genossinnen und Genossen,
liebe Petra,
lieber Bernd,
lieber Kurt,

ich schreibe Euch heute im Namen des Ortsvereins Adenau – Adenau am Nürburgring!

Wir beobachten mit großer Sorge die Entwicklungen am Nürburgring und sehen uns von Seiten der Bürger mit einer Vielzahl von Fragen konfrontiert.

Die Informationen, die uns (fast ausschließlich über die Medien und die Presse, nicht aber über die Informationskanäle unserer Partei) zugänglich gemacht werden, sind gekennzeichnet durch Schlagwortgebrauch und Floskelhaftigkeit. Es ist die Rede von einem neuen Konzept für den Nürburgring. Das nirgends dokumentiert ist, und das nirgends dargestellt wird.

Was das ‘alte’ Konzept war, liegt nach wie vor im Dunkeln. So ist es nicht verwunderlich, dass wir uns in Stammtischgesprächen und öffentlichen Diskussionen regelmäßig eine von oben vorgegebene Konzeptlosigkeit entgegen halten lassen müssen. Wenn uns vorgeworfen wird, seitens der Verantwortlichen bei Regierung und SPD werde desinformiert und verschleiert, ist die kompetenteste Antwort, die wir gegenwärtig aus vertretbaren Erwägungen geben können: Den Leuten Recht geben.

Unsere Erwartungen in Puncto Information und Transparenz gehen seit langem – und insbesondere jetzt – über die von Eurch gemachten Aussagen hinaus.

Unsere Erwartungen – das heißt die der hiesigen Genossen als auch der hiesigen Bevölkerung – an eine Partei, der wir angehören und die wir vor Ort verkörpern, die Partei, welche die Landesregierung alleine stellt und damit die Bevölkerung und ihre Belange zu vertreten hat.

Das Thema Nürburgring ist lokal ein Dauerbrenner und in letzter Zeit auch landesweit in den Focus gekommen. Wir als Ansässige und als Vertreter der Bürger in den kommunalen Gremien stellen diesbezüglich ganz spezielle Fragen. Aufgrund dessen können wir uns nicht zufrieden geben mit den viel zu allgemein gehaltenen Statements der Landesregierung in den einschlägigen Medien.

Nachfolgend einige Fragen, die es dringend konkret zu beantworten gilt:

Ist es richtig, dass die Landesregierung die operativen Belange des Nürburgring vollkommen aus ihren Händen gibt?

Welche Gegenleistung wird hierfür gegeben?

Wie werden die Investitionen, welche aus öffentlichen Mitteln bereits geflossen sind, an das Gemeinwohl zurückgeführt?

Kann dies nach der Abgabe des Nürburgrings an Privathand überhaupt gewährleistet werden?

Diesbezüglich erscheint besonders interessant, ob die angestrebte Gegenleistung des Übernehmers .(Pacht oder was auch immer) den Kapitaldienst der übernommenen Verpflichtung decken wird oder eine durch Staatsmittel auszugleichende Unterdeckung verbleibt.

Wie werden die Belange der hiesigen Bürger geschützt?

Hier arbeiten tausende Menschen für und am Nürburgring. Hier leben noch mehr Menschen von ihrer Nähe zum Nürburgring, von Aufträgen von dort, von Gästen, Klienten und Kunden, die der Ring bringt. Die erwarten eine Antwort von uns.

Stimmt es, dass die Betreibergesellschaft des Nürburgrings ohne Gegenleistung an die neuen Betreiber gegeben wird?

Falls nicht: Welche Gegenleistungen erhält die gegenwärtige Inhaberin, das dürfte ja wohl die Nürburgring GmbH sein, für die Nutzung des Nürburgrings?

Zu welchen Konditionen erhalten die neuen Betreiber das Geschäftsgebiet, Betriebsgelände und die Immobilien?

Dürfen lokale Anbieter von Dienstleistungen und Werktätigkeiten weiterhin auf eine angemessene Beauftragung vertrauen, wenn plötzlich eine private Betreiberschaft am Nürburgring einzieht und ihre eigenen Netzwerke mitbringt?

Wir möchten auch gerne wissen, wer die neuen Manager sind im Nürburgring 2010plus. Darf man auch ihre Gehälter erfahren?

Hier noch am Rande die Frage: Wer von Euch hebt noch seine Hand, wenn er nach den Erfolgsaussichten des Nürburgring 2010plus (so nenne ich ihn jetzt mal) gefragt wird?

Speziell als Sozialdemokraten haben wir noch weitere dringliche Fragen zu stellen bzw. zu beantworten:

Inwieweit können Beschäftigte heute darauf vertrauen, dass sie auch weiterhin beschäftigt werden?

Werden geltende Tarife eingehalten?

Was geschieht mit Neueinsteigern? Wird es Lehrstellen geben und werden Lehrlinge übernommen?

Wie geht man mit zwangsläufig entstehenden Monopolstellungen am Ring um?

Können die Formel 1 und andere wichtige Rennserien gehalten werden?

Inwieweit werden die hier bestehenden Betriebe (Hoteliers, Catering-Unternehmen, Bäcker, Metzger, sonstige Handwerker sowie Anbieter von Werken und Dienstleistungen) in das (Tourismus-)Konzept der „neuen Gesellschaft“ eingebunden?

Wir haben hier Beraterfirmen kommen und gehen gesehen, die gepredigt haben, der ‘neue’ Ring werde allen Wohlstand bringen, sofern sie sich ‘nur’ in geeigneter und richtiger Weise darauf einstellten. Wir haben sehr wohl den Unterton gehört: ‘Falls Ihr nicht erfolgreich seid, habt Ihr es eben nicht verstanden (richtig mitzumachen)’. Die Berater (nebst ihren Honoraren) sind jetzt weg.

Dem Bürgerempfinden nach, und dies können wir als SPD vor Ort gegenwärtig nicht widerlegen, gilt dasselbe für die Landesregierung. (Sind jetzt weg, bzw. versuchen sich davon zu stehlen.) Auch die SPD und ihre Verantwortlichen schleichen sich anscheinend zum Ausgang. Man überlässt die Bühne des kommenden Wohlstands oder des kommenden Desasters einigen Privatiers. In wirtschaftlichen Ausdrücken lautet das Motto: ‘Lieber das scheiternde Unternehmen verschenken als in verantwortlicher Position sein, wenn das Unternehmen scheitert.’

Lieber Genossinnen und Genossen,

es stellt sich hier eine Situation dar, welche man wohl bereits jetzt getrost >Scheitern< nennen darf, was sich in der einen oder anderen Weise im Zustand des Projekts Nürburgring 2009 manifestiert:

  • Ein ring°racer, der nicht funktioniert.
  • Ein großer Boulevard, auf dem das Leben pulsieren soll, gähnt einigen wenigen Besuchern entgegen.
  • Eine Eventhalle (Arena) bietet gelegentlich Events und vermag nicht so recht Besucher anzuziehen.
  • Eine weitere große Halle unterhalb des Boulevard wird totgeschwiegen, weil man nicht so recht weiß wer da hin gehen soll.
  • Ein Bezahlungskonzept (ring°card) setzt sich nur im Dorf Grüne Hölle durch, am Boulevard wird aber bar bezahlt. (Selbst bei Einrichtungen, die dem Ring selbst gehören.)
  • Technische Pannen im ring°werk, die leicht hätten Verletzte fordern können.
  • Technische Pannen beim ring°racer, die bereits zu Unfällen geführt haben.

Jetzt müssten wir eigentlich froh sein, dass uns der Ring abgenommen wird. Aber wie stellt sich die Situation im Vergleich zu vorher dar?

Wir fragen nicht: ‘Hätte es nicht immer so bleiben können wie es war?’ – Wir sind voll und ganz auf der Seite der Verantwortlichen,m wenn es heißt: ‘Der Nürburgring muss voran gebracht werden’; ‘der Nürburgring darf nicht da stehen bleiben, wo er im letzten Jahrhundert war’.

Wir möchten aber die Kernfragen aufwerfen und einer Klärung zuführen.

Insbesondere: ‘Wie schwer wiegt das regierungsseitige Missmanagement?’

Für uns erscheint es unerträglich, dass niemand in der Landesregierung bereit ist, die Verantwortung zu übernehmen.

Wir erwarten keine Rücktritte. Wir erwarten eine Landesregierung, die Fehler sucht und beseitigt.

Im Anschluss daran, dafür mag es vielleicht schon zu spät sein, erwarten wir ein von der Regierung auf die Füße gestelltes Management. Der Rückzieher der Regierung kann doch nur heißen: ‘Wir haben’s vergeigt. Lasst jetzt mal die ‘echten Könner’ ran.’

Wir (da spreche ich für mich, die SPD in Adenau und wohl auch für die Mehrheit der Bürger im Adenauer/Nürburger Land) sind aber in keiner Weise überzeugt von diesen vermeintlichen Könnern. Wir haben vielmehr den Eindruck, dass viel politisches und wirtschaftliches Versagen kaschiert werden soll, indem das ganze Projekt nun ‘wohlfeil’ an Lindner und MediInvest v e r s c h e n k t wird.

Euer Versagen, ich kann es nicht anders nennen, wird dazu führen, dass der Nürburgring privaten Interessen geopfert wird, dass unwirtschaftlich operierende Unternehmen dauerhaft auf Staatskosten weiter betrieben werden und jeglichem gemeinwohlorientierten Interesse zum Trotz, Mitarbeiter, Anrainer, und insbesondere sämtliche lokal konkurrierenden Unternehmer ausgebeutet oder in sonstiger Weise ruiniert werden.

Versteht uns recht:

  • Wir sind keine Gegner des Rings. Das können wir uns auch gar nicht leisten.
  • Wir sind auch nie Gegner des Projekts 2009 gewesen. Wir stehen zu allem, was den Ring weiter bringen kann.

Aber:

  • Wir waren überzeugt, dass unsere Leute (das seid Ihr) den Nürburgring voranbringen.
  • Wir haben seinerzeit geglaubt, dass die Finanzierung steht. (Wenngleich das Alles schon recht merkwürdig erschien.)
  • Wir haben geglaubt, dass das Projekt zur Eröffnung fertig wird. (Wenn auch bautechnisch Bewanderte ihre Zweifel hatten.)
  • Wir haben geglaubt, dass eine sozialdemokratische Führung nicht zulassen wird, dass Private zu völlig jenseits des Marktes liegenden Konditionen in Wettbewerb zur lokalen Wirtschaft treten.
  • Wir haben gehofft, dass das Projekt fertig wird und Erfolg hat.
  • Wir hoffen das noch immer.
  • Wir haben unsere Erwartungen bezüglich des Projekts zurück geschraubt, haben uns von Überzeugung zu Glauben und schließlich Hoffnung zurückgezogen.

Gegenüber der Landesregierung und der Landes-SPD können wir unsere Ansprüche und Erwartungen nicht reduzieren. Wir erwarten lückenlose Information und Aufklärung.

Wir stehen nach wie vor hinter unserer SPD, obwohl uns zunehmend die Argumente ausgehen…

Diese SPD ist jetzt in der Pflicht, uns zu begleiten, uns zu informieren, uns zu unterstützen.

Diese SPD muss jetzt Farbe bekennen in der Frage, ob ein Projekt verschenkt wird, in das unser Land investiert hat.

Lieber Kurt, ein persönliches Wort an Dich:

Viele Menschen, die ich einer Richtung zuordnen kann, welche klar der Sozialdemokratie zugewandt ist, äußern die Meinung, dass Du alles unternimmst, um deinen Posten als Ministerpräsident zu halten.

Ich verteidige Dich stets damit, dass Du in dieser Sache nicht allzu sehr in den Vordergrund getreten bist. (Das ist meine persönliche Ansicht, und kann sicher subjektiv auch anders gesehen werden.)

Ich würde gerne zu Deinen Gunsten halten, dass Du im Zeitpunkt der Krise (als die Finanzierung zusammen gebrochen ist) klar Position bezogen hättest. Hast Du aber nicht. Auch danach: Kein Wort von Verantwortung, nichts…

Wie reinigend hätte im Vorfeld ein Wort gewirkt, welches uns und dem Land klar gemacht hätte: ‘Die Landesregierung hat einen privaten Finanzierungsversuch unternommen. Dieser ist ein wenig seltsam. Falls das Geld nicht kommt, müssen wir Alles anders finanzhieren, weil wir ja schon einige Investitionen in Auftrag gegeben haben.“

Eine Bank oder ein Investmentfonds wäre zu einer solchen Aufklärung verpflichtet gewesen.

Mit solidarischen Grüßen

für die SPD in Adenau und Umgebung

gez. Volker Weiss

Kurt Beck und die Linkspartei  ist eine Geschichte mit vielen Wendungen. Nicht nur die hessischen Genossen wissen was ich meine.

Nachdem er die Linkspartei in Rheinland-Pfalz über Jahre hinweg einfach ignoriert hatte (bestimmt nicht falsch) fängt er nun auch hier mit klaren Aussagen an. Zum Beispiel: “Ich werde überhaupt nichts ausschließen” oder “Ein Experiment mit dieser Partei kommt für mich nicht in Frage“.

Rheinland-Pfalz braucht mehr dieser klaren Aussagen. Am besten immer gleich als Gegensatzpaar, damit sich Gegner und Befürworter immer heimisch fühlen dürfen. Genau das soll eine Volkspartei ja auch ausmachen, eine Heimat für alle.

Der hats verstanden. Der Kurt Beck.

p.s. eine persönliche Meinung gibts auch noch dazu: Nix ausschließen, weil: 1. Glaubt keiner! 2. Könnte doof enden (dann braucht man sich doch plötzlich) 3. Aus der Zeit gefallen


Heute hat Kurt Beck Vorschläge unterbreitet, wie er den ZDF-Staatsvertrag ändern möchte. Damit reagiert er auf das unwürdige gehampel im ZDF-Verwaltungsrat, welcher den Chefredakteur Brender vor die Tür gesetzt hat. Viel mehr reagiert er aber auf den Vorstoß der GRÜNEN Bundestagsfraktion, eine Normenkontrollklage vor dem Bundesverfassungsgericht zu beantragen.

Die skizzierten Vorschläge von Beck gehen zwar in die richtige Richtung (Einfluss der Politik im öffentlich-rechtlichen Rundfunk zurückdrängen), ändern im Ergebnis aber gar nichts.

1. Ganz banal, ihm fehlt eine Mehrheit den Staatsvertrag zu ändern. Die vier weiteren Ministerpräsidenten der SPD reichen nicht, der Staatsvertrag muss von allen 16 Bundesländern mitgetragen werden. Aussicht auf Erfolg = 0.

2. Die Änderungen lassen den Kern des Problems unberührt. Im Fernsehrat sollen die Vertreter der Parteien (die dort analog der Mehrheitsverhältnisse im Bundestag sitzen) reduziert werden. Es verbleiben aber weiterhin 17 Politiker. Auch die roten und schwarzen “Freundeskreise” im Fernsehrat werden damit nicht tangiert. Entscheident ist aber der Verwaltungsrat. Und dort soll im Prinzip alles bleiben wie bisher. Nur zwei Änderungen: Der Vertreter des Bundes (CDU-Mitglied) scheidet aus, die Hürde einen Chefredakteur zu verhindern wird erhöht. Dass die Politik im dann 13-köpfigen Verwaltungsrat weiterhin eine Mehrheit haben dürfte ist nicht schwer zu erraten.

Kurt Beck lenkt ab vom Problem  und sendet eine Botschaft an die SPD-Bundestagsfraktion. Diese solle sich hüten, genügend Unterschriften unter den Antrag der GRÜNEN-Fraktion zu setzen. 12 weitere Abgeordnete werden benötigt, um das Quorum von 25% der Mitglieder des Bundestages zu erreichen.  Sollte er zumindest dieses Ziel erreichen, der Einfluss der SPD in den Gremien des ZDF wäre vorerst gesichert. Herzlichen Glückwunsch!

Das Gezänk um Brender hat aber eines gezeigt, die Politik hat zu starkes Selbstinteresse an der politischen Ausrichtung des ZDF, als dass sie dort wirklich etwas zu suchen hätte. Das muss geändert werden, geht jetzt aber wohl nur noch ohne die SPD.

So dezidiert wollte Kurt Beck das aber nicht formulieren.

Kurt Beck twittert. Diese Ansage allein reichte, um einen kleinen Hype im Netz zu entfachen. Allerdings twittert er nicht selbst, sondern “in Abstimmung mit seinem Landesverband…“. Das ist erstmal nichts anrüchiges, nicht verbotenes, sondern sogar erfrischend ehrlich. Kurt Beck twittert nicht, er lässt twittern.

Es ist interessant zu sehen, wie ein Alt-Medien-Lobbyist wie Beck (nix geht über den öffentlichen Rundfunk – aka ZDF/ SWR) von seinem Landesverband auf neuem Gebiet jetzt vorgeführt wurde. Bisher sind seine ersten tapsigen Schritte auf unbekanntem Terrain eher belächelt worden, ernst genommen aber offensichtlich nicht. Seine Tweets bewegen sich auf marginal informativem – und viel schlimmer – auf marginal diskursivem Niveau. Dabei hätte es sogar schon zwei Anlässe gegeben, das Account mal so richtig durchstarten zu lassen.

1. Er kündigte sein Twittern auf dem Mainzer Mediendisput an. Dort wurde auch eine DPA-Interpretation seiner Rede zur Kenntnis genommen, in welcher er nicht forderte über Gebühren fürs Internet nachzudenken. Diskutiert wurde dieser Vorstoß natürlich auch über Twitter. Die einzige Beck’sche Reaktion war aber ganz old-fashion-like: Ein Dementi über den Presseverteiler der Staatskanzlei. Der für Beck twitternde Landesverband hatte es nicht mal geschafft, dieses Dementi zu verlinken. Fail!

2. Der Bundesparteitag der SPD! Auf bestem Wege zu einem echten running-gag ist sein erster Tweet: “Parteitag nimmt so gefangen. Mann kommt vor lauter Diskutieren kaum zum twittern. Aber schön, dass Sehnsucht nach tweets aufkommt.” Interessant wäre zu erfahren, warum zahlreiche SPD-Politiker Zeit haben zu twittern, die SPD-Mitarbeiter aber nicht? Vielleicht waren sie gar nicht vor Ort?

Dass Beck nicht mit modernen Medien umgehen kann, stimmt aber nicht. Schon 2001 glänzte er mit “Wer Kurt Beck will, wählt am Sonntag SPD” auf über 100.000 rheinland-pfälzischen Handys. Heute nennt man das allerdings Spam und datenschutzrechtlich fatal unklug.
Auch zu Nokia-Handy hat er eine Meinung (“Kommt mir nicht mehr ins Haus”).
Man weiß auch, dass er morgens nicht ins Internet schaut, dafür aber bald WLan?? im Auto hat.

Kurt Beck ist kompetent und überzeugend im Internet unterwegs. Aber nicht bei Twitter. Er ist ein klassischer wkw-ler, jemand der seine offline-Gewohnheiten einfach im Internet weiterleben möchte. Sich mir über 60 noch so zu verrenken nehme ich ihm einfach nicht mehr ab.

Und ganz am Rande: Wenn der Rundfunkpolitiker Beck im Internet punkten will, sollte er ine Debatte über seine bisherige Politik in Bezug auf die Öffentlich-rechtlichen im Internet nicht schäuen. Dieses Fass will ich jetzt aber gar nicht aufmachen, hier fehlen mir schlicht die Wort. Heise nimmt mir dankbarerweise den Job hier ab.

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