Manchmal dauert es etwas länger, bis Wahrheiten auch die Öffentlichkeit erreichen. Hier gehts um die Mittelrheinbrücke, die im Welterbe Oberes Mittelrheintal gebaut werden soll. Der SWR meldet heute, dass die Kosten für die Brücke deutlich höher liegen, als bisher behauptet. Ein Überblick:

geplante Kosten:
2002: 17 Mio € (Planungsgemeinschaft Mittelrhein-Westerwald)

2005: 40 Mio € (+235 %)

21. Juli 2010: 40 Mio € (+ 235 %)

22. Juli 2010:
40 Mio €
+ xx Mio € (Umsetzung rechtlicher Rahmenbedingungen)
+ xx Mio € (Architektenkosten)
+ Kauf der notwendigen Grundstücke
+ Baukostensteigerung seit 2005 (ca 10% – konservativ gerechnet laut Bundesamt für Statistik)
+ 19% MwsT
= 52,36 Mio € + 3*xx Mio €.  (+ 308 %) + xx %

Das ist der Stand heute. Da der Bau aber weder in diesem, noch im kommenden Jahr beginnen kann, werden die Kosten weiter steigen. Billiger, schneller und welterbeverträglicher wäre der Einsatz von Fähren. Die Fähren pendeln schon seit hunderten Jahren und warten nur auf ein GO um auch nachts fahren zu können. Tagsüber fahren sie auf eigene Rechnung, nachts müsste der Staat die Leistung einkaufen. Erprobtes Modell im öffentlichen Personenverkehr. Also bitte!


Wie lange kann eine Achterbahn eigentlich unbewegt rumstehen, bis sie verrostet? Das ist eigentlich eine theoretische Frage, die der Ring°Racer am Nürburgring jetzt aber ganz praktisch aufwirft. Laut Verkehrsminister Hering wird der Ring°Racer, die (irgendwann mal) schnellste Achterbahn der Welt auch 2010 ungenutzt vergammelt.

Die Probleme mit der Programmierung sind noch immer ungelöst. Wir prüfen jetzt, ob wir noch eine zweite Firma einschalten müssen.

Kurz zur Geschichte:
Im August 2009 sollte der Ring°Racer am Nürburgring für das Publikum starten. Wegen technischer Probleme und zweier Explosionen im September 2009 ist der Ring°Racer aber bis heute stillgelegt. Laut Hendrik Hering wird er frühestens 2011 starten können. Sie sollte mal DIE Attraktion des neuen Nürburgring 2009 sein, entwickelt sich aber immer mehr zum Sinnbild für die Fehler, Pannen und den Größenwahn am Ring.

Peinlich für die Landesregierung: Am 27. März 2011 wird der nächste Landtag gewählt. Da Achterbahnen im Winter selten Ausgang haben, wird sie wohl selbst dann noch ruhen. Ich bin gespannt auf wie vielen Plakaten, in wie vielen Filmen welcher Parteien der Ring°Racer Berücksichtigung findet.


Der rheinland-pfälzische Verkehrsminister hat heute angekündigt, die Luftfahrtbranche vor ihrem sicheren Untergang (in Form einer Luftverkehrsabgabe) zu retten. Wir haben dazu exklusives Bildmaterial von seinem Besuch auf dem staatseigenen Flughafen Hahn zugespielt bekommen.


Tief im Keller müssen die Besucherzahlen im Ring-Werk auch in diesem Jahr gesucht werden. Wirtschaftsminister Hering hat heute bekannt gegben, dass die erwarteten Besucherzahlen im Freizeitpark am Nürburgring für dieses Jahr von geplanten 400.000 auf 170.000 reduziert wurden. Ein Rückgang von knapp 60%! Die Besucherzahlen für 2009 wurden im Oktober schon von 280.000 auf nur 100.000 reduziert. Seit heute ist auch klar, es waren nur 50.000 Besucher am Ring-Werk, also 83% weniger als ursprünglich berechnet!

Die Schallmauer für einen kostendeckenden Betrieb des Ring-Werks liegt wohl bei 500.000 Besuchern im Jahr. 2010 würde gerade mal 1/3 der benötigten Besucher gezählt werden, zahlreiche wohl ohne Eintritt zu zahlen. Schließlich wurde an die Besucher im vergangenen Jahr eine Freikarte verteilt, die bis Ende 2010 genutzt werden könne.

Kostendeckender Betrieb gescheitert?

Auch wenn das Management des Ring-Werks jetzt an eine private Betreibergesellschaft übertragen wurde, ist die dauerhafte und kostendeckende Finanzierbarkeit des Projekts nicht gesichert. Sollten die notwendigen Besucherzahlen nicht erreicht werden, kann die Betreibergesellschaft kann die Betreibergesellschaft entweder die Pachtzahlungen nicht leisten, oder diese werden reduziert. In beiden Fällen muss der Steuerzahler für die Verluste aufkommen.

Diese Vermutung ist keine Spekulation, ähnlich äußerte sich auch der neue Aufsichtsratsvorsitzende des Nürburgrings.

Frage: Der alte Businessplan ging auch davon aus, dass ein paar Millionen plus für den Ring herumkommen. Das neue Konzept klingt eher so, als könne der Nürburgring zufrieden sein, wenn für ihn eine schwarze Null rauskommt.

Antwort: Ich würde mich gerne mehr mit der Zukunft beschäftigen, aber natürlich gibt es Aufklärungsbedarf für die Vergangenheit. Anfangs wurde allein für die Nürburgring GmbH von einer Bausumme von 135 Millionen Euro ausgegangen und heute sind rund 200 Millionen zu erwarten. Das bedeutet eine Zinslast, die den Ertrag, der anfangs mit ein paar Millionen Euro angesetzt worden ist, deutlich schmälert. Zunächst erwarten wir, dass Zinsen, Abschreibung und Tilgung finanziert werden können. Dann wird kein Euro des Steuerzahlers benötigt. Das wäre ein gutes Ergebnis, und die Betreiber sollen verdienen.

Diese sehr pessimistische realistische zurückhaltende Äußerung vom 5. Dezember 2009 machte er, bevor die Zahlen von Wirtschaftsminister Hering bekannt gegeben wurden. Die von Schwanhold in Aussicht gestellte schwarze Null ist seit heute wohl nicht mehr aktuell. Der rheinland-pfälzische Steuerzahler darf also bald schon mit Stolz behaupten, einen Freizeitpark mit zu finanzieren.


Die skandalträchte Bauzeit der Nürburgring-Erlebniswelt nähert sich ihren Ende. Ein guter Grund für die Nürburgring GmbH als Betreiber und die Landesregierung als Mehrheitseigner eine zweite Eröffnungsfeier zu veranstalten. Die erste Eröffungsfeier am 9. Juli war überschattet vom Rücktritt des damaligen Finanzministers Deubel, der über die Finanzierung der Erlebniswelt stolperte. Auch anschließend schaffte es der Nürburgring immer wieder, sich prominent in der Öffentlichkeit zu positionieren (Auszug):
- Die peinliche Werbekampagne wurde kostenlos von zahlreichen weiteren Medien weiterverbreitet.
- Der angebliche Investor stellt MP Beck bloß
- Eine Hausdurchsuchung bei einem Journalisten wurde durch Gerichtsbeschluss verboten

Auch die zweite ErRingwerk Entschuldigungöffnungsfeier war nicht die erhoffte Jubelveranstaltung. Zahlreiche Attraktionen des neuen Ring-Werks waren immer noch nicht fertig gestellt, oder schon vor der Eröffnung wieder defekt. Die Besucher wurden dafür zwar finanziell entschädigt, peinlich ist aber auch dieser Zwischenfall. Bezeichnend, dass nicht einmal der Ministerpräsident persönlich an der Eröffnung teilnahm. Sein Wirtschaftsminister Hering musste ihn vertreten.

Defekt waren im Einzelnen:

- die Hauptattraktion Ring-Racer (irgendwas explodiert, außerdem keine Freigabe vom TÜV)
- Truck-Simulator (technische Mängel)
- das Multimedia-Theater “Grüne Hölle” (umfangreiche Programmierarbeiten?)
- Formel 1- Simulator (technische Probleme)
- Motor-Mania (teilweise Defekt, daher vor allem ziemlich langweilig)

Finanziell tragfähig?

Daher ist die GmbH dazu übergegangen, die nächsten Wochen als Schnupperwochen zu bezeichnen. Verbilligter Eintritt und eine Freikarte sind die ungewollten Folgen. Beides spielt natürlich auch nicht dem erklärten Ziel der Landesregierung in die Hände, dass der neue Nürburgring sich finanziell trägt. Nicht nur, dass die wichtige Eröffnungsphase (große Neugier, Tagesgespräch in de Region) in die Hose geht und Gäste nicht gerade zum Wiederkommen einlädt, die Mund-zu-Mund-Propagande ist wahrscheinlich vernichtend.

Steht eigentlich schon der Termin für die dritte Eröffnungsfeier? Herbstferien sind übrigens vom 12.- 23. Oktober…

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