Die CDU in Morbach (Bernkastel-Wittlich) hat gestern nochmal nachplakatiert. Sie haben jetzt neu im Angebot: Helmut Kohl!

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Politiker nutzen gerne eingängige Floskeln oder Sprachbilder, um ihre Botschaften an Mann und Frau zu bringen. Julia Klöckner beispielsweise nutzt Rheinland-Filz. Sie versucht mit dem Bild und zahlreichen (auch zutreffenden) Beispielen den Filz in der SPD-Landesregierung aufzuzeigen. Aber nicht nur das. Auch ist sie Anhängerin des “Früher war alles besser”.

Die Vorsitzende der CDU Rheinland-Pfalz warf der SPD-Landesregierung Vettern- und Günstlingswirtschaft vor. Ministerpräsidenten wie Helmut Kohl und Bernhard Vogel hätten Rheinland-Pfalz geprägt,…

Unter Helmut Kohl war also alles besser. Jener Birnerich war von 1969 bis 1976 Ministerpräsident in Rheinland-Pfalz. Aus dieser Zeit stammte auch der Begriff Rheinland-Filz. Geprägt hat ihn weder Julia Klöckner noch Helmut Kohl, sonder das Nachrichtenmagazin “Der Spiegel” im Jahr 1985. Es ging dabei auszugsweise um folgendes:

Denn nach den Auskünften des Grafen [Lambsdorff] muß Kohl in seiner Zeit als rheinland-pfälzischer Ministerpräsident (1969 bis 1976) von verdeckter Parteienfinanzierung über illegale Geldwaschanlagen gewußt haben. Schlimmer noch: Er hat sich womöglich der Beihilfe zur Steuerhinterziehung schuldig gemacht.

Unter Kohl und seinem Finanzminister Johann Wilhelm Gaddum konnten die Spendensammler der Parteien ungehindert Briefkastenfirmen unterhalten und das Geld der Firmen, am Fiskus vorbei, in die Parteikassen leiten.

In der Unterüberschrift des Spiegel tauchte damals auf  “Wahrheitsfindung in Rheinland-Filz: Graf Lambsdorff belastet Kanzler Helmut Kohl.” Die Geburtsstunde des “Rheinland-Filz”. Wenn Julia Klöckner “Rheinland-Filz” sagt, ist das natürlich weiterhin ein treffender Angriff auf die SPD-Alleinregierung. Allerdings auch ein vehementes Abrücken vom Spendensammler und Ehrenwortgeber Helmut Kohl. Das war bisher noch nicht so offensichtlich, wie dieses Bild hier zeigt.

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Nur weil altes Obst 80. Geburtstag feiert, fordert mich meine Twitter-Timeline ständig auf, für eine Sonderbriefmarke “Helmut Kohl” abzustimmen. Aber nicht nur das, ich könnte sogar eine Petition an den Bundestag mit zeichnen (Link ist nicht unabsichtlich nicht gesetzt), die sich dieses zum Ziel gesetzt hat.

Normalerweise blocke ich Leute, sobald sie mir auf die Nerven gehen. Als dann aber die JUSOS auch noch begannen, gegen die Sonderbriefmarke anzumüffeln, hätte sich meine Timeline fast geleert. Recht lange fand ich diesen Gedanken zwar sehr amüsant, da mir die traditionsbewussten Klischeestreits zwischen Rot und Schwarz auch schon vorher auf die Nerven gingen, aber ich verwarf es dann doch. Dennoch:

1. Mir ist das soooowas von wurscht wer eine Sonderbriefmarke bekommt (und wer nicht)

2. Habe ich allerdings 1998 mein Wahlrecht nur ausgeübt um Kohl abzuwählen

3. Bin ich seit dieser Zeit nicht mehr bereit, nochmal über Kohl abzustimmen

4. Kann man bei der Post schon heute problemlos alles was man will als Briefmarke auf Briefe pappen. Ist nicht mal teuer!

Also bitte liebe Roten und Schwarzen, klebt euch euren Willy oder eure Birne auf die Parteitagseinladungsschreiben. Aber macht bitte kein nerviges Politikum daraus. Außer euch selbst, interessiert es die Leute dezent peripher. Herzlichen Dank.

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