27. April 2010
Mit einer würdelosen politischen und persönlichen Demontage im Gepäck, durfte Aygül Özkan heute als niedersächsische Sozialministerin in ihr Amt starten. Die katholisch-konservativen Kohorten der alten CDU und CSU machten in Rekordzeit aus einem politischen Coup von Christian Wulff eine peinliche Posse politischen Populismusses. Auf ihre Ansage im Focus, dass sie Kreuze und Kopftücher in staatlichen Schulen für fehl am Platze halte, ging eine Vielzahl an teilweise dümmsten Antworten via Presse an die staunende Öffentlichkeit. Ihr wurde der Partei-Austritt nahe gelegt, ihr Rücktritt vor Amtsantritt verlangt, sowohl vom neuen Chef als auch von der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel jegliche Unterstützung entzogen. So unter Druck gesetzt, musste Özkan ihre richtige Überzeugung (die eigentlich nicht mal Mut verlangt) inzwischen ablegen und Buße gegenüber dem Kreuze und den Plärrgeistern innerhalb von CDU und CSU ablegen.
Was zurück bleibt ist eine einsame, zur PR-Puppe degradierte Sozialministerin. Immerhin, ihre politische Karriere, die von 0 auf 100 und zurück auf 0 in nur 4 Tagen wahrscheinlich einen Ewigkeitsrekord darstellt.
Die CDU/CSU nutzte die Ernennung der ersten türkisch-stämmigen Ministerin in Deutschland um sich konservativ zu profilieren. Zahlreiche profillose CDU-Aufsteiger nutzten die Chance auf die arme Özken einzuprügeln, die eigentlich nur das Bundesverfassungsgericht zitierte. Reichlich abstrus wirkte beispielsweise die Presseerklärung von Julia Klöckner. Eigentlich fehlte jeder Zusammenhang zwischen Rheinland-Pfalz und der niedersächsischen Sozialministerin, dennoch war sie sich nicht zu blöd ein Kreuz-Gebot für die Schulklassen im Land zu fordern. Die einzige Intention dieser Aussage war: Liebe Leute, ich bin übrigens nicht nur Weinkönigin sondern auch so konservativ wie ihr mich haben wollt.
Dies ist die erste, inhaltlich durchschlagende Äußerung von ihr seit ihrer Nominierung zur Spitzenkandidatin zur Landtagswahl. Falls das so weitergeht, dann gute Nacht.
Auf einen Kulturkampf, der letztlich nur Symbolik ist, habe ich gerade mal überhaupt keine Lust.