Aus dokumentarischen Gründen halte ich die Büttenrede von Hans-Peter Uhl (CSU) zum Staatstrojaner fest.

Einen Kommentar braucht es nicht. Falls trotzdem jemand was sagen möchte, wendet euch am besten an eineN andereN CDUlerIn. Wer davon redet, dass Deutschland zum Glück von Sicherheitsbeamten regiert wird (und das meint er nicht ironisch oder negativ), dem ist wohl nicht mehr zu helfen.

In der gestrigen BAMS durfte sich Stefan Müller zum Thema Vorratsdatenspeicherung ausführlichst äußern. Wer schon lange keinen Schund gelesen hat, der inhaltlich inkorrekt und vollkommen stillos daher kommt, hier bietet sich die Chance! Sowohl Fremdscham als auch blankes Entsetzen sind im Lesekonsum gratis inklusive.

Seit das Bundesverfassungsgericht im März dieses Jahres entschieden hat, dass personenbezogene Daten aus Internettransfers gelöscht und nicht mehr auf Vorrat gespeichert werden dürfen, hat sich die Aufklärungsrate von Internetkriminalität dramatisch negativ entwickelt: Von 1000 Verdächtigen werden nur noch sieben Personen ermittelt.

Mal davon abgesehen, dass die Daten der Vorratsdatenspeicherung vor dem Beschluss des BverfG schon nicht genutzt wurden, ist die Panikmache einfach nur hirnverbrannt.

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Die persönliche Anrede ist in der schwarz-gelben Koalition derzeit out. In ist die phantasievolle Beschreibung des Gegenübers durch immer neue  Aphorismen. Noch sind aber nicht alle gegenseitigen Beschreibungen bekannt. Schon veröffentlicht wurde:

FDP -> CSU: Die CSU führt sich auf wie eine Wildsau

CSU -> FDP: Was eine Gurkentruppe

CDU -> CSU: Der führt sich auf wie Rumpelstilzchen

Noch offen sind folgende Varianten:

CSU -> CDU

FDP -> CDU

CDU -> FDP

Für die ersten drei Beschreibungen wurden 72 Stunden intensiven Nachdenkens in der Berliner Koalition benötigt. Ich rechne also noch im Laufe des Mittwochs zumindest mit dem Füllen einer der hier beschriebenen Lücken. Ihr werdet auf dem Laufenden gehalten.

Mit einer würdelosen politischen und persönlichen Demontage im Gepäck, durfte Aygül Özkan heute als niedersächsische Sozialministerin in ihr Amt starten. Die katholisch-konservativen Kohorten der alten CDU und CSU machten in Rekordzeit aus einem politischen Coup von Christian Wulff eine peinliche Posse politischen Populismusses. Auf ihre Ansage im Focus, dass sie Kreuze und Kopftücher in staatlichen Schulen für fehl am Platze halte, ging eine Vielzahl an teilweise dümmsten Antworten via Presse an die staunende Öffentlichkeit. Ihr wurde der Partei-Austritt nahe gelegt, ihr Rücktritt vor Amtsantritt verlangt, sowohl vom neuen Chef als auch von der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel jegliche Unterstützung entzogen. So unter Druck gesetzt, musste Özkan ihre richtige Überzeugung (die eigentlich nicht mal Mut verlangt) inzwischen ablegen und Buße gegenüber dem Kreuze und den Plärrgeistern innerhalb von CDU und CSU ablegen.

Was zurück bleibt ist eine einsame, zur PR-Puppe degradierte Sozialministerin. Immerhin, ihre politische Karriere, die von 0 auf 100 und zurück auf 0 in nur 4 Tagen wahrscheinlich einen Ewigkeitsrekord darstellt.

Die CDU/CSU nutzte die Ernennung der ersten türkisch-stämmigen Ministerin in Deutschland um sich konservativ zu profilieren. Zahlreiche profillose CDU-Aufsteiger nutzten die Chance auf die arme Özken einzuprügeln, die eigentlich nur das Bundesverfassungsgericht zitierte. Reichlich abstrus wirkte beispielsweise die Presseerklärung von Julia Klöckner. Eigentlich fehlte jeder Zusammenhang zwischen Rheinland-Pfalz und der niedersächsischen Sozialministerin, dennoch war sie sich nicht zu blöd ein Kreuz-Gebot für die Schulklassen im Land zu fordern. Die einzige Intention dieser Aussage war: Liebe Leute, ich bin übrigens nicht nur Weinkönigin sondern auch so konservativ wie ihr mich haben wollt.
Dies ist die erste, inhaltlich durchschlagende Äußerung von ihr seit ihrer Nominierung zur Spitzenkandidatin zur Landtagswahl. Falls das so weitergeht, dann gute Nacht.

Auf einen Kulturkampf, der letztlich nur Symbolik ist, habe ich gerade mal überhaupt keine Lust.

Wie die CDU/CSU sich Integration in Deutschland vorstellt, führt sie gerade anschaulich vor. Aygül Özkan, die designierte CDU-Sozialministerin in Niedersachsen, lehnt Kruzifixe in staatlichen Schulen ab. “Christliche Symbole gehören nicht an staatliche Schulen.” Die staatlichen Schulen sollten neutrale Orte sein, die Kindern bei ihrer Entscheidung über Religionszugehörigkeit nicht beeinflussen. Mit dieser Begründung befürwortet sie auch das Kopftuchverbot für Lehrerinnen an Schulen.

Stefan Müller, der Integrationsbeauftragte der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag teilt dazu gerne seine Meinung mit: “Politiker, die Kreuze aus Schulen verbannen wollen, sollten sich überlegen, ob sie in einer christlichen Partei an der richtigen Stelle sind.

Inhaltlich kann man ja trefflich über Sinn und Unsinn von Kruzifixen und Kopftüchern, bzw. deren Verbot streiten. Dass ein Integrationsbeauftragter allerdings ein so einseitiges Amtsverständnis zu erkennen gibt, verwundert mich dann doch ein wenig. Verständnis könnte ich für seine Aussage aufbringen, falls sich der Herr Müller als Assimilationsbeauftragter geäußert hätte.

Übrigens: Das Bundesverfassungsgericht hat die Frage der Rechtmäßigkeit von Kruzifixen in Schulklassen schon mal entschieden. So ernst nimmt die CDU/CSU das höchste deutsche Gericht aber wohl nicht.

Nachtrag: Die CDU-Spitzenkandidatin Julia Klöcknerhat den Kulturkampf ums Kreuz auch nach Rheinland-Pfalz geholt und spricht sich gegen eine Verbannung von Kreuzen aus den Schulklasse aus. Auch wenn mein Bauchgefühl schon stark genug gegen diese Kreuze blubbert, überlege ich mir jetzt doch mal was weltlich Argumenatives.

Nachtrag 2: Die Schülerunion sieht ebenfalls das Abendland im Untergang begriffen und fordert den Verzicht auf die Ernennung von Özkan zur Sozialministerin.

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