Die SPD hat “umstrittene Werbung” bei Google Adwords geschaltet, die erscheint wenn man nach Julia Klöckner sucht. So sieht das zumindest die CDU. CDU-Geleralsekretär Rosenbauer war sich heute auch nicht zu blöd, per Presseerklärung stolz bekannt zu geben, dass die SPD scheinbar ihre Werbung bei Google eingestellt habe. Zumindest hat er beim googlen nix mehr gefunden.

Und weil heute ja sonst nix los ist, hat die SPD-Generalsekretärin auch wieder reagiert.

Statt jetzt noch weiter zu meckern, haben wir die Werbefläche neben dem Suchbegriff Julia Klöckner mit Inhalten gefüllt. Zur Sicherheit auch mal bei Kurt Beck. Denke, auch Beck-Sucher sind auf der Suche nach Konzepten.

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Die persönliche Anrede ist in der schwarz-gelben Koalition derzeit out. In ist die phantasievolle Beschreibung des Gegenübers durch immer neue  Aphorismen. Noch sind aber nicht alle gegenseitigen Beschreibungen bekannt. Schon veröffentlicht wurde:

FDP -> CSU: Die CSU führt sich auf wie eine Wildsau

CSU -> FDP: Was eine Gurkentruppe

CDU -> CSU: Der führt sich auf wie Rumpelstilzchen

Noch offen sind folgende Varianten:

CSU -> CDU

FDP -> CDU

CDU -> FDP

Für die ersten drei Beschreibungen wurden 72 Stunden intensiven Nachdenkens in der Berliner Koalition benötigt. Ich rechne also noch im Laufe des Mittwochs zumindest mit dem Füllen einer der hier beschriebenen Lücken. Ihr werdet auf dem Laufenden gehalten.

“In Armut lebt in Deutschland Keiner”. Vielleicht ist diese Ansicht, geäußert (ab Minute 6, beim Duell von N-TV) vom Koblenzer CDU-Bundestagsabgeordneten Michael Fuchs, ein Indiz dafür, warum die Bundesregierung ihr Sparpakt für sozial Ausgewogen erachtet. Wo die armen Menschen fehlen, gibt es nur reiche Menschen und ganz reiche Menschen. Diese können sich an der solidarischen Finanzierung des Milliardenlochs der öffentlichen Haushalte problemlos beteiligen können.

Wer diese arrogante Sichtweise nicht mitträgt, dürfte auch mit der einseitigen Ausrichtung des Sparpakets ein Problem haben. Dafür habe ich dann wiederum Verständnis. Zum Glück gibt es in Deutschland keine Menschen die von weniger als 1$ pro Tag leben müssen. Wer aber postuliert, es gäbe in unserer Gesellschaft keine Armut, dem sei mit Dieter Nuhr zugerufen: “Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal Klappe halten”.

Auch merkwürdig, die Frau Schröder.

Per Twitter versuchte sie zu erläutern, warum die 100%-Kürzung des Elterngeldes für Hartz-IV-Empfänger gerecht ist. Da es mit rationalen Argumenten schwierig bis unmöglich ist, versucht sie es mit einer Neiddebatte: “Aber: Eine Familie in Hartz IV, 2 Kinder, erhält inkl. Elterngeld 1885 € vom Staat. Netto! Ist das gerecht gegenüber denen, die arbeiten?

Wie diese falsche Summe zustande kommt und warum selbst der Versuch dieser Neiddebatte bescheuert ist, beschreibt Till Westermeyer in seinem Blog.

Diese Idee mit dem Wahlsieg 2011 für die CDU wird immer schwieriger umzusetzen. Zuerst hatte sich die Spitzenkandidatin Julia Klöckner vehement geweigert, sich auch nur andeutungsweise inhaltlich zu äußern. Wenn jetzt mal was gesagt oder geschrieben wird, geht es nur um alte Geschichten.

Beispiel gestern:
Thema 1:  Presseerklärung der CDU Rheinland-Pfalz: Helmut Kohl freut sich über riesengroße Geburtstagstorte (die 18 Jahre Kohl sind inzwischen auch schon 12 Jahre her)

Thema 2: Die Wohnung des ehemaligen CDU-Fraktionsvorsitzenden Christoph Böhr wurde wegen des Verdachts der Untreue von Staatsanwaltschaft und Polizei durchsucht. Auf die Partei könnte eine Strafe durch den Bundestagspräsidenten zukommen, Christoph Böhr wird sich unter Umständen vor einem Gericht verantworten müssen. Es geht dabei um mindestens 385.000 € aus Steuergeldern, die für Parteizwecke abgezweigt worden sein sollen. Dazu sagt der traurige, abgesägte Landesvorsitzende Baldauf: “Wir begrüßen jeden Schritt, der in dieser Sache weiterführt“. Das Vertrauen in die Selbstreinigungskräfte der CDU hat der Noch-Chef wohl schon verloren. Er freut sich, wenn in seinem Laden die Staatsanwaltschaft aufräumt. Na dann.

Ein anderer Wink aus der Vergangenheit gilt am kommenden Samstag wieder für Julia Klöckner. Sie, die seit kurzem der größte Fan von Mainz 05 ist, sitzt wieder im Stadion. Frei nach dem Motto: Nix Politik. Fußball!

Mit einer würdelosen politischen und persönlichen Demontage im Gepäck, durfte Aygül Özkan heute als niedersächsische Sozialministerin in ihr Amt starten. Die katholisch-konservativen Kohorten der alten CDU und CSU machten in Rekordzeit aus einem politischen Coup von Christian Wulff eine peinliche Posse politischen Populismusses. Auf ihre Ansage im Focus, dass sie Kreuze und Kopftücher in staatlichen Schulen für fehl am Platze halte, ging eine Vielzahl an teilweise dümmsten Antworten via Presse an die staunende Öffentlichkeit. Ihr wurde der Partei-Austritt nahe gelegt, ihr Rücktritt vor Amtsantritt verlangt, sowohl vom neuen Chef als auch von der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel jegliche Unterstützung entzogen. So unter Druck gesetzt, musste Özkan ihre richtige Überzeugung (die eigentlich nicht mal Mut verlangt) inzwischen ablegen und Buße gegenüber dem Kreuze und den Plärrgeistern innerhalb von CDU und CSU ablegen.

Was zurück bleibt ist eine einsame, zur PR-Puppe degradierte Sozialministerin. Immerhin, ihre politische Karriere, die von 0 auf 100 und zurück auf 0 in nur 4 Tagen wahrscheinlich einen Ewigkeitsrekord darstellt.

Die CDU/CSU nutzte die Ernennung der ersten türkisch-stämmigen Ministerin in Deutschland um sich konservativ zu profilieren. Zahlreiche profillose CDU-Aufsteiger nutzten die Chance auf die arme Özken einzuprügeln, die eigentlich nur das Bundesverfassungsgericht zitierte. Reichlich abstrus wirkte beispielsweise die Presseerklärung von Julia Klöckner. Eigentlich fehlte jeder Zusammenhang zwischen Rheinland-Pfalz und der niedersächsischen Sozialministerin, dennoch war sie sich nicht zu blöd ein Kreuz-Gebot für die Schulklassen im Land zu fordern. Die einzige Intention dieser Aussage war: Liebe Leute, ich bin übrigens nicht nur Weinkönigin sondern auch so konservativ wie ihr mich haben wollt.
Dies ist die erste, inhaltlich durchschlagende Äußerung von ihr seit ihrer Nominierung zur Spitzenkandidatin zur Landtagswahl. Falls das so weitergeht, dann gute Nacht.

Auf einen Kulturkampf, der letztlich nur Symbolik ist, habe ich gerade mal überhaupt keine Lust.

Wie die CDU/CSU sich Integration in Deutschland vorstellt, führt sie gerade anschaulich vor. Aygül Özkan, die designierte CDU-Sozialministerin in Niedersachsen, lehnt Kruzifixe in staatlichen Schulen ab. “Christliche Symbole gehören nicht an staatliche Schulen.” Die staatlichen Schulen sollten neutrale Orte sein, die Kindern bei ihrer Entscheidung über Religionszugehörigkeit nicht beeinflussen. Mit dieser Begründung befürwortet sie auch das Kopftuchverbot für Lehrerinnen an Schulen.

Stefan Müller, der Integrationsbeauftragte der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag teilt dazu gerne seine Meinung mit: “Politiker, die Kreuze aus Schulen verbannen wollen, sollten sich überlegen, ob sie in einer christlichen Partei an der richtigen Stelle sind.

Inhaltlich kann man ja trefflich über Sinn und Unsinn von Kruzifixen und Kopftüchern, bzw. deren Verbot streiten. Dass ein Integrationsbeauftragter allerdings ein so einseitiges Amtsverständnis zu erkennen gibt, verwundert mich dann doch ein wenig. Verständnis könnte ich für seine Aussage aufbringen, falls sich der Herr Müller als Assimilationsbeauftragter geäußert hätte.

Übrigens: Das Bundesverfassungsgericht hat die Frage der Rechtmäßigkeit von Kruzifixen in Schulklassen schon mal entschieden. So ernst nimmt die CDU/CSU das höchste deutsche Gericht aber wohl nicht.

Nachtrag: Die CDU-Spitzenkandidatin Julia Klöcknerhat den Kulturkampf ums Kreuz auch nach Rheinland-Pfalz geholt und spricht sich gegen eine Verbannung von Kreuzen aus den Schulklasse aus. Auch wenn mein Bauchgefühl schon stark genug gegen diese Kreuze blubbert, überlege ich mir jetzt doch mal was weltlich Argumenatives.

Nachtrag 2: Die Schülerunion sieht ebenfalls das Abendland im Untergang begriffen und fordert den Verzicht auf die Ernennung von Özkan zur Sozialministerin.

Heute hat die CDU in Rheinland-Pfalz Julia Klöckner zur Spitzenkandidatin gekürt. Überraschend musste der Landesvorsitzende Christian Baldauf ihr heute auch noch den Landesvorsitz andienen, nachdem er sich in den letzten Tagen spektakulär und peinlich ins Abseits gespielt hatte. Julia Klöckner ist also die neue, alleinige Spitzenfrau der CDU in Rheinland-Pfalz. So gehen auch andere Parteien immer wieder in Wahlkämpfe, um möglichst zugespitzt eine personelle Alternative zu formulieren. In der Regel macht das auch Sinn, für die CDU in Rheinland-Pfalz aber nicht.

by: blackblind

1. Eigentlich sollte Christian Baldauf Julia Klöckner in der Partei den Rücken frei halten. Er sollte die seit Jahrzehnten gespaltene Partei einen und die zahlreichen Skandale der letzten Monate und Jahre politisch aufarbeiten. Das sind keine Themen, mit denen sich eine Spitzenkandidatin bei den Bürgern irgendwie profilieren kann. Oder stehen die Wähler drauf zu sehen, wie auch sie scheitern wird, den widerspenstigen Abgeordneten Michael Billen zu züchtigen? Wohl kaum.

2. Christian Baldauf hatte sich als Fraktionsvorsitzender und Parteivorsitzender im Landtag bisher zwar nicht mit Ruhm bekleckert, aber er war der Einzige, der ihr irgendwie das Wasser reichen konnte. Neben den beiden, gibt es niemanden in der Partei, der intellektuell oder politisch in der Lage ist, in der ersten Liga der Landespolitik mitzuspielen. Nachdem Christian Baldauf sowohl die Spitzenkandidatur als auch den Landesvorsitz abgegeben hat, ist er auch nur noch Fraktionsvorsitzender auf Zeit. Ein gleichberechtigter Partner ist nicht mehr.

3. Die CDU in Rheinland-Pfalz hat kein überzeugendes politisches Personal. Das wird jetzt offensichtlich, da Julia Klöckner alleine an der Spitze steht. Die Landtagsfraktion hat es nicht geschafft, bekanntes Personal aufzubauen, die über einen Wahlkreis hinaus bekannt geworden sind. Wenn diese politischen Zwerge Julia Klöckner jetzt auf ihr Schild heben, kommt sie nicht sehr hoch hinaus.

Julia Klöckner erscheint daher nicht als überzeugende Spitzenkandidatin, sondern eher als bemitleidenswerte Notwehrmaßnahme. Sie muss einen zerstrittenen Haufen hinter sich her ziehen, sie muss unbequeme Skandale bearbeiten. Aber am dramatischsten, sie muss ganz alleine in einen Kampf ziehen, der nach 20 Jahre Opposition nur sehr schwer zu gewinnen sein wird.

Michael Billen hat noch viele Visionen für die Eifel. Deshalb möchte er gerne noch weiter Politik machen und kandidiert wieder für den Landtag.

Meine Vision von Michael Billen in der Eifel sieht in etwa so aus:

Nur weil altes Obst 80. Geburtstag feiert, fordert mich meine Twitter-Timeline ständig auf, für eine Sonderbriefmarke “Helmut Kohl” abzustimmen. Aber nicht nur das, ich könnte sogar eine Petition an den Bundestag mit zeichnen (Link ist nicht unabsichtlich nicht gesetzt), die sich dieses zum Ziel gesetzt hat.

Normalerweise blocke ich Leute, sobald sie mir auf die Nerven gehen. Als dann aber die JUSOS auch noch begannen, gegen die Sonderbriefmarke anzumüffeln, hätte sich meine Timeline fast geleert. Recht lange fand ich diesen Gedanken zwar sehr amüsant, da mir die traditionsbewussten Klischeestreits zwischen Rot und Schwarz auch schon vorher auf die Nerven gingen, aber ich verwarf es dann doch. Dennoch:

1. Mir ist das soooowas von wurscht wer eine Sonderbriefmarke bekommt (und wer nicht)

2. Habe ich allerdings 1998 mein Wahlrecht nur ausgeübt um Kohl abzuwählen

3. Bin ich seit dieser Zeit nicht mehr bereit, nochmal über Kohl abzustimmen

4. Kann man bei der Post schon heute problemlos alles was man will als Briefmarke auf Briefe pappen. Ist nicht mal teuer!

Also bitte liebe Roten und Schwarzen, klebt euch euren Willy oder eure Birne auf die Parteitagseinladungsschreiben. Aber macht bitte kein nerviges Politikum daraus. Außer euch selbst, interessiert es die Leute dezent peripher. Herzlichen Dank.

Zwei Binsen vorne weg: Am Nürburgring ist einiges schief gegangen Die Verantwortung dafür trägt die Landesregierung.

Ob sie auch Schuld (aktives Versagen) trägt, sollte eigentlich mal der Untersuchungsausschuss (UA) im Landtag klären. Dabei hatten alle Fraktionen im Landtag versprochen, für Aufklärung im Nürburgring-Gewirr zu sorgen. Auch die Landesregierung mit Kurt Beck an der Spitze wollte brutalst mögliche Aufklärung ermöglichen.

Der SPD-Obmann Clemens Hoch hatte via Volksfreund verlauten lassen, dass der UA seine Halbzeit erreicht habe. Die Mannschaften dürften sich daher gerade zu ihren Trainern in die Kabinen zurück ziehen und besprechen. Zeit also für die Kommentatoren im Studio für ihre Analysen. Die fallen für den UA deutlich aus: Kreisklasse!

1. Was hat der UA bisher an Erkenntnissen erbracht?
Im Prinzip: Nada. Niente. Null. Zero. Beispiel gefällig?

„Die Vernehmung des Zeugen Härtel hat deutlich gemacht, dass dem Aufsichtsrat der Nürburgring GmbH stets die große strukturpolitische Bedeutung des Projekts Nürburgring 2009 bewusst war. Der Aufsichtsrat hat seine Aufgaben sehr Ernst genommen und das Projekt intensiv begleitet. Dabei wurde alles unternommen, damit aus dem Finanzierungsversuch keine Schäden entstehen. Auch wurde deutlich, dass der Aufsichtsratsvorsitzende und sein Stellvertreter über einen gewissen Informations- und Wissensvorsprung verfügten. (Clemens Hoch (Obmann der SPD im UA) als Fazit der UA-Sitzung vom 18.2.2010)

Selbst ohne Kommentierung schön blöd ist auch folgender Satz:

Der Zeuge Wenzel erläuterte nachvollziehbar, wie er zu seinen Besuchsprognosen gekommen ist. Insbesondere erklärte er den Unterschied von Nutzungen und Besuchern.

Neben dieser willkürlichen Auswahl an Binsen der SPD konnte die Opposition bisher nur leidliche Behauptungen oder Bewertungen von sich geben.

2. Inhalt der bisherigen Sitzungen
Einen UA sollte man als Betroffener entweder mit möglichst vielen, oder mit möglichst wenigen Fragestellungen betrauen. Zumindest wenn man konkrete Ergebnisse zu verhindern gedenkt. Die SPD hat sich für “möglichst viele” Fragestellungen entschieden. An diesem Punkt ist die einmütige Einsetzung des UA beinah gescheitert, da CDU und FDP ursprünglich einen UA mit sehr viel zugespitzterem Auftrag einrichten wollten. Zeitweise lagen dem Landtag zwei Anträge für UAs vor. Einer der SPD, einer von CDU und FDP. Auch wenn sich die Fraktionen noch einigten, ihre Leistungen zu Beginn der ersten Halbzeit war erschreckend. Sie gingen intensiv auf Aspekte der Historie des Nürburgrings ein, die mit den aktuellen Problemen soviel zu tun haben wie der Catenaccio mit einem stürmischen Anrennen aufs gegnerische Tor.

In den ersten Sitzungen des Gremiums ging es um die Vorgeschichte des Freizeit- und Geschäftszentrums oder, wie es ein Abgeordneter spöttisch ausdrückte, “um die Geschichte des Wagenrennens von Ben Hur bis Michael Schumacher“. (Aus dem Trierischen Volksfreund)

Später hätte es spannend werden können. Allerdings: Es gab eine leidenschaftliche Vorlesung des Professor Deubel, Rechtfertigungen vom ehemaligen Geschäftsführer Kafitz und Atteste vom zweiten Geschäftsführer Lippelt. Man stritt sich darüber, ob öffentlich zugängliche Dokumente aus dem Landtag unbedingt “vertraulich” sein müssten. Ob die Landesregierung mit 2.500 Ordnern alle relevanten Informationen zur Verfügung gestellt hat (aktueller Stand: tendenziell nein, eventuell aber auch ja, vielleicht aber auch nicht).

3. Relevanz des UA bei der Aufklärung
Über die Fehler am Nürburgring ist schon einiges in der Öffentlichkeit diskutiert worden. Der Südwestfunk, die Rhein-Zeitung, der Trierische Volksfreund oder die Rheinpfalz waren bei der Aufdeckung von Missständen aktiv und erfolgreich. Selbst wir GRÜNE haben schon einiges aufgedeckt. Nicht aber der UA. Ob Jaques Bendorf mit den Recherchen zu seinem Eifelkrimi “Die Nürburgring-Papiere” mehr Erkenntnisgewinn schafft als der UA ist aber noch nicht abschließend geklärt.

Aber nicht nur inhaltlich, auch zeitlich hinkt der UA der Realität hinterher. Heute wurde im UA über Besucherprognosen gesprochen, die schon lange nicht mehr aktuell sind. Das Gutachten mit den neuen, deutlich niedrigeren Besucherprognosen (ehemals 400.000, jetzt 170.000 pro Jahr), wurde übrigens erst durch die Rhein-Zeitung öffentlich. Dem UA lag es bis dahin nicht vor. Und wie schätzt die SPD jetzt die ehemaligen Prognosen ein, die nachweislich blödsinn waren? Clemens Hoch: “Der Zeuge Wenzel erläuterte nachvollziehbar, wie er zu seinen Besuchsprognosen gekommen ist. Insbesondere erklärte er den Unterschied von Nutzungen und Besuchern.” Ja mensch, wann erläutert endlich mal jemand nachvollziehbar, wie der Nürburgring zu seinem Namen gekommen ist? Bitte ebenso unkritisch und banal, wie die SPD mit der Frage umgeht, wieso Besucherzahlen früher deutlich höher, Baukosten erheblich niedriger ausfielen.

Und was passiert, wenn dann mal wieder die Presse im Aufklären erfolgreich ist?

Bei allem publizistischen Interesse sollte jedem klar sein, dass die Veröffentlichung vertraulicher Gutachten, die im Restrukturierungsprozess eines Unternehmens eine wichtige Rolle spielen, nicht sachdienlich sein kann. Insofern müssen sich die an solch fragwürdigen Praktiken Beteiligten den Zweifel daran gefallen lassen, ob der Erfolg des Rings und das Interesse der Region ihre Handlungsweise bestimmt. Unabhängig davon bieten die Veröffentlichungen keine Neuigkeiten. Über alle wesentlichen Inhalte hat die Landesregierung die parlamentarischen Gremien und die Öffentlichkeit längst informiert. Sie waren Grundlage der im Dezember vorgestellten neuen Konzeption für den Ring. Diesem neuen Konzept wird von Ernst & Young bescheinigt, dass auf seiner Grundlage die Zinsen und Abschreibungen der Besitzgesellschaften erwirtschaftet werden können und insofern dem Land keine weiteren Kosten entstehen werden. (Jochen Hartloff, Fraktionsvorsitzender der SPD)

Also ich versteh das jetzt schon richtig, oder? Die Veröffentlichung birgt zwar keine Neuigkeiten, weil Alles schon bekannt ist. Aber man solle dieses doch bitte unterlassen, da veröffentlichungen vertraulicher Informationen dem dem Projekt schaden? Liebe SPD, wenn ihr beim Einordnen von Informationen den Spin-Doctor spielen wollt, dann lasst es jemanden machen der es auch kann. Üblicherweise nützlich sind klare Aussagen, die sich NICHT widersprechen.

Ehrliches Fazit:

Der Untersuchungsausschuss sollte ursprünglich mal aufklären, er sollte zur Bühne des Christian Baldauf werden (über den ich hier zu Recht nichts geschrieben habe), er sollte als Feigenblatt für die aufklärungsunwillige SPD dienen.

Zu 1. fail!
Zu 2. fail!
Zu 3. naja

Sollte sich der UA nicht mit banalen Peinlichkeiten begnügen wollen, müssen sich alle Beteiligten steigern. Die Opposition muss mal zu Potte kommen und die heißen Eisen anpacken.
Mich würde es freuen, wenn am Ende des UA z.B. folgendes beantwortet werden könnte: Mit den Informationen von heute, würde die Landesregierung wieder zu dem Ergebnis kommen den “Nürburgring 2009″ in gleicher Form zu beschließen? Wie kamen die Falschinformationen zu Stande? Waren Besucherzahlen fahrlässig überschätzt oder vorsätzlich gefälscht worden? Wurden Baukosten fahrlässig unterschätzt oder vorsätzlich gefälscht? Wer trägt für die fahrlässigen oder klar falschen Vorgaben die politische Verantwortung? Und wenn dann noch Zeit ist, können noch weitere (spannende) Fragen beantwortet werden (Wie häufig gewann Aston Martin das 24-Stunden Rennen am Ring?).

Die SPD soll sich endlich mal entscheiden, wie lange sie noch bockig verlautbaren lässt: “Es wird alles aufgeklärt” (Kurt Beck, 9.12.2009 Landtag). Entweder die Menschen gewinnen langsam mal den Eindruck dass sie dies auch täte, oder sie sollte es nicht mehr sagen. Im Moment ist es einfach nur peinlich (Gossenausdrücke an dieser Stelle wurden mehrfach gelöscht und überschrieben).

Versöhnliches Fazit:

Sorgen um die Aufklärung mache ich mir indes keine. Die weiß ich bei der Rhein-Zeitung, dem SWR, dem Volksfreund, Wilhelm Hahne oder Eveline Lemke in guten Händen.

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