11. August 2010
Wenig erhellendes, viel geheucheltes lese ich über den bevorstehenden Start von Google Street View. Den – noch frischen – Magengeschwüren habe ich versprochen, alles aus meiner Sicht lesbare als Presseschau zusammenzustellen. Meine diplomatische Position zur Debatte lautet (ungefähr): “Mir fehlt das Verständnis für diejenigen, die selbst für ihr Haus, ihren Gartenzwerg, Auto und Rosenbeet den gleichen Datenschutz wie für sich selbst verlangen.” Die undiplomatiche Position gibt es auf Nachfrage, allerdings nur mündlich.
Spiegel Online:
Die Lächerliche Angst vorm bösen Blick: “Mein Haus, mein Auto, mein Gärtchen: Wenn dies künftig als verfassungsrechtlich geschützter Ausdruck des Menschenwürde gelten soll, tun wir uns keinen Gefallen.”
Zeit Online:
Unsoziale Datenschützer: “Für den Datenschutz von Hartz-IV-Empfängern und Migranten interessiert sich kaum jemand. Dabei müssen die wirklich die Hosen herunterlassen.”
TAZ:
Ein Grund zur Freude: “Aigner muss sich fragen lassen, warum sie Vorratsdatenspeicherung, BKA-Gesetz und Netzsperren, allesamt harte Maßnahmen staatlicher Überwachung, unterstützt und gleichzeitig so laut gegen Google Stimmung machte. Um Datenschutz konnte es Aigner nicht wirklich gehen.”
Stern:
Street View? Ja Bitte!: “Ist die Eingangstür von Hugh Grant in “Notting Hill” wirklich blau? Street View verrät all das und noch mehr – und tut Niemanden dabei weh. Im Gegenteil, so schätzen gerade Einzelhändler die Möglichkeit, auf diesem Wege auf sich aufmerksam zu machen.”
Stern:
Wer kotzt am Straßenrand (Interview mit Markus Beckedahl): “Allerdings wundere ich mich, dass sich die ganze Kritik an Google Street View äußert und nicht an anderen Diensten von Google, die viel invasiver in die Privatsphäre der Menschen eingreifen.”
Der Westen:
Google Street View kommt – Na und?: “Die Gefahr lauert an ganz anderen Stellen. In sozialen Netzwerken etwa, wo immer mehr Deutsche ihr Privatleben ausbreiten”
Dennis Knake:
Die Stunde der Hypokriten: “Auf der einen Seite können sie gar nicht genug Daten von uns bekommen, auf der anderen Seite führen sie mit Google Street View eine hervorragende Scheindebatte und geben sich als Hüter von Datenschutz und Privatsphäre aus.”
Rhein-Zeitung:
Die Landschaft gehört uns allen!: “Untern Strich schafft der Internetkonzern für Milliarden Menschen einen einfachen Zugang zu Informationen, der vor wenigen Jahren noch unvorstellbar war.”
Welt:
Die Angst vor Google verbaut die eigene Zukunft: “Street View ist die Landkarte der Zukunft. Wer sie verfälscht, wird dastehen wie die unglücklichen Städter, die zu spät ihre mittelalterlichen Stadtmauern abrissen. Weil sie so viel Angst vor Räubern hatten, verpassten sie die offene Zukunft.”
Sascha Lobo:
Google Street View-Widerspruch-Widerspruch: “Und genau deshalb biete ich hier den “Google Street View Widerspruch-Widerspruch” an.”
WDRblog:
Streetview: Ich freu mich drauf!: “Es gibt auch ein öffentliches Interesse, zum Beispiel ein öffentliches Interesse an Transparenz. In welcher Nachbarschaft liegt ein Hotel? Wie sieht die Straße aus von der Wohnung, für die ich mich interessiere? Ist es einfach, einen Parkplatz zu finden?”
