Mit stolzgeschwellter Brust erklärte heute Julia Klöckner ihren Rücktritt vom Amt der Verbraucherschutzstaatssektretärin. Damit liegt sie ja im CDU-Bundestrend.

Sie will sich ab dem 15. Feburar zu 100% um ihren Wahlkampf in Rheinland-Pfalz kümmern. Wenn sie Ministerpräsidentin werden will, ist das sicherlich nötig und richtig. Ehrlich ist es auch, sich einer Aufgabe vollständig zu widmen, nicht eine Regierungsaufgabe nebenher mitlaufen zu lassen.

Aber.

Es gibt gute Zeitpunkte dafür. Es gibt schlechte Zeitpunkte dafür. Und es gibt unverantwortliche Zeitpunkte dafür.

Derzeit steckt das Verbraucherschutzministerium mitten im Dioxion-Schlamassel. Das Ministerium muss aufklären, wo Fehler gemacht wurden. Wie genau das Dioxin ins Essen kam, in welches Essen es kam, wo das Essen jetzt ist. Und vor allem muss das Ministerium klären, wie das zukünftig zu verhindern ist. Das ihre Ministerin Aigner dabei eine gute Figur macht, darf angezweifelt werden. “In der Öffentlichkeit steht sie da wie die Schülerin, die davon abzulenken versucht, dass sie ihre Hausaufgaben schlecht gemacht hat“. Auch das Verbraucherschutz-Fachmagazin BILD fragt: “Wer schützt uns vor dieser Ministerin?“.

In dieser Situation die Aufgabe abzugeben, die sie nach der Bundestagswahl übernommen hatte, das ist eher so naja. Sie geht zur Unzeit und lässt die Verbraucher im Regen stehen. Schon ihre Untätigkeit als Staatssekretärin in den letzten Wochen hat geschadet. Jetzt wäre entschlossenes Handeln im Ministerium nötig, um Aufklärung und Prävention voran zu treiben. Stattdessen muss sich ein neuer Staatssekretär (Peter Bleser?) in die Materie einarbeiten.

Der Zeitpunkt ihres Rücktritts ist unverantwortlich.

Zum Glück bin ich seit sieben Jahren Vegetarier. Sonst wäre ich jetzt sauer.

Schaden für ihren Wahlkampf

Aber nicht nur der Verbraucher in Deutschland hat den Schaden. Viel wichtiger für Julia Klöckner: Die Dioxin-Debatte hat ihrem Wahlkampf geschadet. Ständig musste sie kritische Fragen zu Gift im Essen beantworten, für ihre überforderte Chefin die Kohlen aus dem Feuer holen und das Aufklärungsdesaster kommentieren. Das dürfte dann auch der ausschlaggebende Grund für sie sein, als sie ihren Rücktritt erklärte. Sie will weiteren Schaden von ihrem Wahlkampf fernhalten.

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Julia Klöckner will sich im Wahlkampf und darüber hinaus von Friedrich Merz beraten lassen. Über die Intensität hat sie nichts gesagt. Ich tippe mal auf eine Beratung durch folgende drei SMS.

1. vorgestern: Ja, ich will (dein Berater werden). Dein Friedrich.

2. heute: Glückwunsch zur Presseresonanz. Dein Friedrich.

3. 27. März: Glückwunsch zum Ergebnis. Gruß Fritz.

Dabei ist der Inhalt der Beratung vollkommen irrelevant. Das Signal, welches Julia Klöckner durch die Berufung von Friedrich Merz sendet ist entscheidend. Es soll zwei Dinge leisten: Friedrich Merz gilt als neoliberaler Konservativer, der in der Kernwählerklientel der CDU einen guten Namen hat. Er soll die Menschen mobilisieren und an vergangene Zeiten erinnern. Früher war halt alles besser. Damals. In den 90ern. Als Kapitalismus und hochgestellte Hemdkragen noch Popkultur waren.

Auch soll er wohl eine Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik legitimieren, die – ohne seinen Namen im Dunstkreis – an der sich modern gebenden Julia Klöckner hängen bleiben würde. Damit soll der Spagat zwischen der konservativen und scheinbar wahlfaulen Wählerklientel und der modernen Mitte gelingen. Die Konservativen und Wirtschaftsliberalen muss sie vom wählen überzeugen (mobilisieren), die sogenannte Mitte der SPD abspenstig machen.

Den Kapitalismus in seinem Lauf…

Das letzte Buch von Friedrich Merz trägt den Titel: “Mehr Kapitalismus wagen – Wege zu einer gerechten Gesellschaft”. Passt ein Botschafter des ungehemmten Marktes in die Zeit, wenn selbst die CDU sich eine Wachstumsdebattte verpassen will? Auch die rosa Polo-Shirts (mit den hochgestellten Hemdkragen) sind längst in der Altkleidersammlung. Wie sollen die Fangirls und vor allem die Fanboys huldigen? Der Kapitalismus ist auch noch nicht geheilt. Friedrich Merz erscheint wie aus der Zeit gefallen.

Deutscher Leidkulturist

Sein größter PR-Coup war 2000 die Etablierung des Begriffes der deutschen Leitkultur im deutschen Sprachgebrauch. Dafür erhielt er im gleichen Jahr auch den Oscar für das Unwort des Jahres. Friedrich Merz startete im Zuge der Zuwanderungsgesetzgebung durch rot-grün eine gepflegte Assimilationsdebatte in Deutschland. Ausländer, vor allem Muslime, müssten unsere Sitten und Gebräuche akzeptieren. Durch seine Betonung war aber klar: Ausländer, vor allem Muslime, müssten unsere  Sitten und Gebräuche übernehmen.

Seine Leitkultur (die übrigens nicht mit meiner Leitkultur übereinstimmt) ist von traditionellen Werten bestimmt. Eine Leitkultur,  der sich immer weniger Deutsche anschließen wollen. Seine politische Leitkultur besteht aus der Kürzung von Sozialleistungen, einer Renaissance der Kernenergie und einem Deutschland, dass Vorreiter bei der Gentechnik ist.

Oder um es anders zu sagen: In seinem Land bin ich der Exilant.

Mehrheitsfähigkeit und Friedrich Merz. Das passte mal in den 90ern und zu Beginn des letzten Jahrzehnts. Nach seinem Rückzug aus der Politik ist er heute auch nicht viel mehr als das Echo einer vergangenen Zeit. Ich finde es sehr merkwürdig, dass Julia Klöckner aus diesem Echo jetzt einen Schlachtruf machen will. Aber bitte.

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Der Hauptgewinn beim heiteren Slogan-Raten

Der Hauptgewinn beim heiteren Slogan-Raten

Die CDU hat heute ihre Plakatlinie und Wahlkampf-Slogans veröffentlicht. Slogans und Claims von Wahlkampflinien sollen den Grundtenor eine Kampagne wiedergeben. Sie sollen mit der Partei verknüpft werden und das gewünschte, positive Image verstärken. Auch die SPD ist schon mit ihrer Kampagne an der Öffentlichkeit. Für sie gilt natürlich das gleiche wie oben beschrieben. Hier der Test, welchen Slogan haben SPD und CDU gewählt.

Drei dieser Slogans werden im Wahlkampf von SPD und CDU verwendet. Wer die Solgans in den Kommantaren am schnellsten der richtigen Partei zuordnen kann, bekommt einen schicken GRÜNEN Schal als Gewinn. (Wer googlet schummelt)

1. Die Zukunft unserer Heimat

2. Unsere Heimat, unsere Zukunft

3. Heimat mit Zukunft

4. Starke Heimat für eine gute Zukunft

5. Bessere Zukunft mit schöner Heimat

6. Heimat für Alle

7. Unsere Zukunft für die Heimat

8. Zukunft ist für Alle da

9. Zukunft statt Vergangenheit

10. Morgen ist Heute schon Gestern

p.s. Wir werden unsere Wahlkampflinie Anfang Februar präsentieren.  Nur soviel vorab: Unser Slogan findet sich nicht unter den 10 genannten.

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Die SPD berät derzeit mit viel Brimbrambrumborium über ein “Fortschrittsprogramm”, um Deutschland wieder, naja, anders zu machen. Fortschritt ist in Deutschland, aber nicht nur hier, eng mit neuen Technologien, mit neuen Medien, mit dem Internet verbunden. Um die Konkurrenz einschätzen zu können und innovative Ideen nicht zu verpassen, habe ich die Passage mit viel Aufmerksamkeit gelesen. Mehrfach. Damit ihr nicht suchen müsst, zitiere ich den entsprechenden Text gerne hier im Blog.

Beginn:

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Ende.

Der Entwurf des kompletten Fortschrittsprogramms liegt zur gefälligen Einsichtnahme auf der einschlägigen Heimnetzseite zur Einsicht bereit. Aber bitte nicht raubkopieren.

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Im Zusammenhang mit einem selbstverantworteten Spendenskandal von “Damit wollen wir Vorbild sein, auch für andere Parteien.” zu sprechen, ist sehr mutig.

Liebe CDU in Rheinland-Pfalz, liebe Julia Klöckner: Ich hoffe ihr seht es uns nach wenn wir dies nicht tun.

Viele Grüße von den GRÜNEN

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Wo finde ich Wikileaks gerade? Nachdem die Plattform in den letzten Wochen unter massiven staatlichen Druck geraten ist, stellen sich immer mehr Nutzer diese Frage. Die TAZ machts jetzt einfach. Ein Klick auf das Banner und man erreicht einen Wikileaks-Mirror. Blockade adé.

WikiLeaks

Wie es genau funktioniert und wie man mitmachen kann steht hier.
Übrigens: Dort kann man auch einen Appell zugunsten von Wikileaks unterzeichnen. Erstunterzeichner sind die taz, die Frankfurter Rundschau, der Freitag, der Tagesspiegel, Perlentaucher.de, die Berliner Zeitung, netzpolitik.org und  European Center For Constitutional and Human Rights (ECCHR

Der JMStV ist also tot. Soweit so gut. Trotzdem brauchen wir eine Überarbeitung des bestehenden Entwurfs des Staatsvertrags, der bisher von Politik und Anbietern wegen seiner Unpraktikabilität ignoriert wurde. Einen echten Jugendschutz im Internet gab es also nie. Die Reaktion von Kurt Beck auf die (voraussichtliche) Entschiedung in Nordrhein-Westfalen zeugt dabei von zweierlei:

1. Auch so eine trockene Materie wie ein Staatsvertrag kann bei Kurt Beck emotionale Reaktionen hervorufen.

2. die Forderung von Beck “Basierend auf den derzeitigen rechtlichen Grundlagen werden die Jugendschutzbehörden Sperrverfügungen erlassen.” disqualifiziert ihn als zukünftig federführenden Politiker bei einer Novelle.

Wir sollten die Chance nutzen, die sich durch die Debatte um den JMStV ergeben hat und den Umgang mit dem Internet aus der Ecke des Rundfunks herausholen. Neue Medien von Rundfunkpolitikern regulieren zu lassen war und ist falsch. Bevor der Streit um eine Neufassung des JMStV wieder entbrennt, brauchen wir eine Debatte um den Umgang mit netzpolitischen Themen in der Politik. Als Konsens dürfte dabei sich weitesgehend durchgesetzt haben, Internet mit klassichen Rundfunk-Mechanismen zu begegnen ist nicht zielführend. Auch dass die Wirkungsmöglichkeiten von Politik im Internet in einer Demokratie nur begrenzt sind, dürfte nach der Debatte um Zensursula klar sein. In einigen deutschen Parlamenten haben sich Enquete-Kommissionen der Netzpolitik angenommen. Wir sollten ihre Ergebnisse im Lichte der Ablehnung des JMStV diskutieren und zu einer bundesweit gültigen Lösung kommen. Einen Vorschlag wie ich mir das vorstelle, kann und will ich dabei nicht anbieten. Sicher bin ich mir aber (um in Kurt Beck’s Wortschatz zu bleiben):

Wenn Du entdeckst, dass Du ein totes Pferd reitest, steig ab!

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Politiker nutzen gerne eingängige Floskeln oder Sprachbilder, um ihre Botschaften an Mann und Frau zu bringen. Julia Klöckner beispielsweise nutzt Rheinland-Filz. Sie versucht mit dem Bild und zahlreichen (auch zutreffenden) Beispielen den Filz in der SPD-Landesregierung aufzuzeigen. Aber nicht nur das. Auch ist sie Anhängerin des “Früher war alles besser”.

Die Vorsitzende der CDU Rheinland-Pfalz warf der SPD-Landesregierung Vettern- und Günstlingswirtschaft vor. Ministerpräsidenten wie Helmut Kohl und Bernhard Vogel hätten Rheinland-Pfalz geprägt,…

Unter Helmut Kohl war also alles besser. Jener Birnerich war von 1969 bis 1976 Ministerpräsident in Rheinland-Pfalz. Aus dieser Zeit stammte auch der Begriff Rheinland-Filz. Geprägt hat ihn weder Julia Klöckner noch Helmut Kohl, sonder das Nachrichtenmagazin “Der Spiegel” im Jahr 1985. Es ging dabei auszugsweise um folgendes:

Denn nach den Auskünften des Grafen [Lambsdorff] muß Kohl in seiner Zeit als rheinland-pfälzischer Ministerpräsident (1969 bis 1976) von verdeckter Parteienfinanzierung über illegale Geldwaschanlagen gewußt haben. Schlimmer noch: Er hat sich womöglich der Beihilfe zur Steuerhinterziehung schuldig gemacht.

Unter Kohl und seinem Finanzminister Johann Wilhelm Gaddum konnten die Spendensammler der Parteien ungehindert Briefkastenfirmen unterhalten und das Geld der Firmen, am Fiskus vorbei, in die Parteikassen leiten.

In der Unterüberschrift des Spiegel tauchte damals auf  “Wahrheitsfindung in Rheinland-Filz: Graf Lambsdorff belastet Kanzler Helmut Kohl.” Die Geburtsstunde des “Rheinland-Filz”. Wenn Julia Klöckner “Rheinland-Filz” sagt, ist das natürlich weiterhin ein treffender Angriff auf die SPD-Alleinregierung. Allerdings auch ein vehementes Abrücken vom Spendensammler und Ehrenwortgeber Helmut Kohl. Das war bisher noch nicht so offensichtlich, wie dieses Bild hier zeigt.

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Das Bundesverwaltungsgericht hat dem rheinland-pfälzischen Verfassungs- und Justizminister Bamberger bescheinigt: Er hat die Verfassung gebrochen.
Die ganze Geschichte gibt es hier.

Das Problem liegt aber nicht nur im Umgang des Ministers mit einer fragwürdigen, unrechtmäßigen Entscheidung, sondern vor allem im Richterwahlverfahren. Hier hat die Politik eine absolute Mehrheit, die sie auch nutzt. Mit Gewaltenteilung hat das nicht viel zu tun. Wir hatten dazu 2008 einen Vorschlag gemacht, scheinbar ist er jetzt aktueller den je.

Der Richterwahlausschus soll paritätisch aus Abgeordneten und Richtern besetzt werden. Den Vorsitz hat der Vorsitzende des Landesverfassungsgerichts.

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Einen sicherlich bedenkenswerten Vorschlag hat die CDU-Spitzenkandidatin Julia Klöckner heute bei der Vorstellung ihrere Integrationsvorschläge gemacht.

Sie will die Wartefrist beim Ehepartnernachzug bei Scheinehen auf 3 Jahre erhöhen.

Gibt es eigentlich eine eigene steuerrechtliche Stellung für Scheinehen? Dürfen die auch in Standesämtern geschlossen werden? Oder sind sie nicht eher mit der eingetragenen Partnerschaft vergleichbar? Und seid wann werden Scheinehen beim Visa-Antrag eigentlich als solche angegeben?

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