Unbekannte Konzepte zu kritisieren ist schwierig bis unmöglich. Darum mache ich es nicht, sondern stelle mir ein paar Fragen zum Betreiberkonzept des Nürburgrings und der finanziellen Auswirkung der deutlich niedrigeren Besuchererwartungen.

Bei der Vorstellung des neuen Betreiberkonzeptes durch Ministerpräsident Beck und Wirtschaftsminister Hering am 2. Dezember in Mainz, wurde eine Untersuchung des Instituts Empirica vorgestellt. Diese solle zeigen, dass durch den Ausbau des Nürburgrings im Jahr 2011 eine zusätzliche Bruttowertschöpfung von 52 Mio € erreicht werden soll. In dieser Berechnung dürften auch schon die neuen (miesen) Besucherzahlen berücksichtigt sein, die allerdings erst 17. Januar offiziell bekannt gegeben wurden. Zwei Gründe sprechen dafür: 1. Entwurf des Managemantplans sowie die neue Schätzung der Besucherzahlen wurden von Ernst & Young vorgenommen. 2. Der Aufsichtsratsvorsitzende Schwanhold bestätigte in einem Interview am 5. Dezember die Existenz neuer Zahlen.

Nach meiner Rechnung müssten die zusätzlichen Besucher jeweils 364 € in der Eifel ausgeben. Beispielsweise der Eintritt zum Ring-Werk, Mittagessen, tanken, Übernachtungen,… Daher meine Frage: Ist das realistisch?

Der Wert ist zwar nur eine Annäherung, aber immerhin mal eine Zahl. Variieren könnte sie noch deutlich, wie meine Berechnungsgrundlagen unten klar machen. Gerne darf darüber spekuliert weden, ob 364 € wirklich realistisch sind. Gerne darf auch meine Berechnung vollkommen in den Senkel gestellt werden. Dafür habe ich sie gemacht.

Was genau die Bruttowertschöpfung ist, erkläre ich nicht. Das macht Wikipedia besser.

Rechnung:

Bruttowertschöpfung = 52.000.000 €

zusätzliche Besucher = 170.000

pro-Kopf-Ausgaben (brutto) = 52.000.000/170.000 = 306 €
pro-Kopf Ausgaben (netto) = 306 * 19% = 364 €

Mein Gedankenexperiment für 2011 hat folgende Thesen:

1. das zusätzliche Aufkommen wird durch die zusätzlichen Besucher am Nürburging erbracht.

2. Neuansiedlung von Unternehmen werden nicht berücksichtigt, das wäre pure Spekulation

3. die Besucherzahlen bleiben konstant bei 170.000 und sinken nicht weiter ab

4. da in der Bruttowertschöpfung direkte Steuern nicht berücksichtigt sind, Besucher aber bspw. an der Mehrwertsteuer nicht vorbei kommen, müssen auf die zusätzlichen Erträge pro Kopf um 19% erhöht werden

5. alle Ausgaben der Besucher in der Region werden summiert

6. die Bruttowertschöpfung und die zusätzlichen Ausgaben liegen in identischer Höhe

7. Es wurden keine Vorleistungen in die Bruttowertschöpfung einbezogen. Ansonsten würde sich der nötige Aufkommensbetrag nochmals erhöhen, da die Vorleistungen aus der Bruttowertschöpfung rausgerechnet werden. Zur Vereinfachung habe ich es nicht berücksichtigt.

Da ich im Gegensatz zur Landesregierung meine Berechnung transparant gemacht habe, kann sie gerne jeder kritisieren und jede der Thesen widerlegen. Freue mich drauf!