Dass die Affäre um den Nürburgring keine Provinzposse ist, dürfte eigentlich jedem Beteiligten klar sein. Im Gegenteil: Inhalt und Auswirkung des Skandals sind so gravierend, dass sie die Landesregierung schon im Innersten getroffen (Rücktritt von Finanzminister Deubel) und das Potential für noch weiteren Schaden haben.
Heute aber wurde ein Stück aufgeführt, dass eher an Fassenacht (11.11 ist gerade rum, Saison hat begonnen) oder Laientheater erinnerte.
Beteiligte: Michael Billen (CDU, MdL) und Jochen Hartloff (SPD, MdL, Fraktionsvorsitzender).
Anlass: Die Tochter von Michael Billen soll aus persönlichem Interesse heraus einen Beteiligten der Nürburgring-Affäre in der Polizei-Datenbank POLIS überprüft haben. Die dort gewonnenen Informationen habe sie ausgedruckt und mit nach Hause genommen. Dort habe ihr Vater (der zufällig dort nächtigte) in ihren Unterlagen gestöbert und diese Informationen an sich genommen haben. Wenig später tauchten diese Informationen in der Heimatzeitung des Abgeordneten Billen, dem Trierischen Volksfreund auf. Das Interesse daran ist so hoch, weil sie eine Aussage des Innenministeriums widerlegen können, welche einen solchen Eintrag in polizeiliche Datenbanken verneint habe.
Heute nun wurde der Verwandschaftsgrad zwischen Polizistin und MdL bekannt, Grund genug für eine Pressekonferenz des Beschuldigten. Seine Rechtfertigung ist hier nachzulesen. Kurz zusammengefasst: ist so üblich in Familienclans, SPD ist Schuld, Stolz auf die Tochter.
Nur wenige Minuten später startete die SPD in Person von Jochen Hartloff ihren Angriff. Ebenfalls als Pressekonferenz. Die Rhein-Zeitung zitiert ihr mit “ungeheuerlich, wenn kriminelle Machenschaften, die in der Geschichte des Lantags einmalig sind” so abgetan würden. Fraglich bleibt, was und wen er damit meinte? Die SPD-Landesregierung? Billen? Beide? Der Rest kurz zusammengefasst: Unfassbar, unglaublich, untragbar.
Mal davon abgesehen, dass die Geschichte von Michael Billen mit den Tatsachen wirklich nicht viel zu Tun haben dürfte (wer wühlt die Unterlagen seiner Tochter durch und findet dabei zufällig Infos die für seine Arbeit im Untersuchungsausschuss wichtig sind?), sein Vorgehen ist mehr als nur geschmacklos. Er muss und wird seine politische und juristische Strafe dafür erhalten. Genau wie seine Tochter auch. Die Reaktion der SPD ist aber auch unter der Würde einer regierungstragenden Fraktion. Zwar ist es verständlich, dass es für die gebeutelte SPD eine tiefe Genugtuung war, endlich mal die anderen (mit Recht) zu beschimpfen. Seine Schimpftirade zeigt aber auch, von der ehemals überlegen agierenden SPD ist nicht mehr viel übrig geblieben.
Anlass für das Theater ist die schlimme Verfehlung von Billen, Grund ist die schlimme Verfehlung der SPD-Regierung. Das Bild, welches die beiden Abgeordneten heute vermittelten war ein vernichtendes. Der Nürburgring als Skandal und alle seine Randerscheinungen prägen die politische Erscheinung des Bundeslandes in der presseöffentlichkeit derzeit sehr stark. Sollte der heutige Tag dann beispielhaft für den weiteren Umgang mit dem Nürburgring sein, der Unterschied zum Stammtisch wird nur noch ein formaler sein.
25. November 2009 at 21:39
Eine große Schweinerei ist das ganze, man könnte meinen wir sind bei Dallas.
Hoffentlich werden daraus auch die entsprechenden Konsequenzen gezogen, vor allem für Billen und seine Tochter!
25. November 2009 at 22:55
wozu die aufregung, dieser beitrag zeigt doch sehr sachlich und nüchtern was der otto normalo von politik und partei zu halten hat.
in diesem fall setzen sich die politischen expertisten von cdu und spd mal wieder ins rechte licht, bürger wacht auf !
mfg herbert
26. November 2009 at 01:21
@sven: Für Dallas fehlt noch ein wenig Öl und ziemlich viele Frauen. Ich bin überzeugt Billen wird da noch Konsequenzen ziehen, bis hin zur Aufgabe seines Landtagsmandates.
@herbert hansen: Ich rege mich auf, weil ich mich mit sowas nicht abfinde. Nicht alle Menschen in der Politik handeln so, wie es heute aufgeführt wurde. Aber mit diesen Aktionen wird das Bild der Politik und der Politiker in den Schmutz gezogen. Darum müssen Politik und Politiker (plus Medien und Wähler) das jetzt auch wieder richten. Für mich kein Grund für Fatalismus.
26. November 2009 at 08:02
@felix, ich nehme das geschehen weder hin, noch verherrliche ich das was politik ausmacht. ich habe lediglich einen weg gefunden mich mit den dingen auseinander zu setzen. und das ist allemal besser als sich über unsere gesellschaft, deren strukturen und die politik keine gedanken mehr zu machen. und provokant zu sein sorgt zumindest für diskussion
mfg herbert
27. November 2009 at 20:57
…und hier mein weg, mich mit politik zu beschäftigen, ich hoffe er finden ein wenig gefallen
lg herbert
27. November 2009 at 20:58
..und hier ein schritt meines weges auf der reise zu einer besseren politik
)
lg herbert
17. Februar 2010 at 18:53
[...] Missbrauch der Datei verhindert werden? Gerade nach der rheinland-pfälzischen Debatte über den Missbrauch der POLIS-Datenbank durch CDU-Landtagsabgeordnete und Polizisten stellen sich mir hier einfach die Nackenhaare [...]