Heute veröffentlichte der Landeswahlleiter in einer Presseerklärung eine Übersicht der gewählten Mandatsträger der Kommunalwahl am 7. Juni 2009. Schwerpunkt der Betrachtung ist der Frauenanteil in den lokalen Parlamenten. Die Überschrift lässt positives erwarten, immerhin sei der “Frauenanteil in den Kommunalparlamenten weiter gestiegen”. Das ist nicht nur wünschenswert sondern auch notwendig, immerhin waren 2004 nur 18,7% der gewählten Ratsmitglieder weiblich (siehe Tabelle unten oder Link zum Dokument).
“Von den insgesamt 33.038 Mandaten, die bei diesen Wahlen zu besetzen waren, entfallen 5.561 bzw. 16,8 Prozent auf Frauen. Damit sind Frauen zwar weiterhin deutlich unterrepräsentiert. »Dennoch ist in den vergangenen 15 Jahren eine positive Entwicklung zu beobachten«, so Landeswahlleiter Jörg Berres. »Gegenüber 1994 ist der Frauenanteil um 4,1 Prozentpunkte gestiegen.«”
Wenn ich mich nicht täusche, sind die 16,8% (2009) aber doch niedriger als die 18,7% (2004)? Warum aber diese Camouflage bei der Kommunikation der Zahlen? Mal abgesehen davon, dass man lieber positives berichtet als einen Rückschritt, vielleicht wollte der Landeswahlleiter auch nicht der zuständigen Frauenministerin widersprechen. Immerhin verkündete sie schon am 31. Juli “Dreyer: Anteil von Frauen in Kommunalparlamenten gestiegen“. Die Ministerin hatte eine Kampagne ins Leben gerufen um den Frauenanteil zu stärken. Das Ziel der Kampagne wäre nicht erreicht worden. (Anmerkung: Ich hatte in der politischen Koordination der Kampagne mitgewirkt, wäre für mich auch nicht schick)
Eine weitere Merkwürdigkeit gibt aber zu denken. In der Erklärung des Landeswahlleiters zum Frauenanteil in Kommunalparlamenten ist dieser für 2004 plötzlich auf 15,8% gesunken. Laut der oben angesprochen (und einzig offiziellen) Auswertung aus 2004 lag er jedoch bei 18,7%.
Warum eigentlich diese Zahlenspielerei? Erstens: Es geht um Trends! Bleibt es dabei, dass der Frauenanteil steigt oder gibt es wirklich einen gegenläufigen Trend? Zweitens: Sind die Zahlen versehentlich nicht übereinstimmend? Drittens: Falls nicht, wer hat sie aufgehübscht?
Edit: inzwischen hat sich das statistische Landesamt bei mir gemeldet und die unterschiedlichen Zahlen aufgeklärt. 18,7% Frauenanteil bei den Kommunalwahlen 2004 gab es bei den Wahlen nach Verhältniswahl. Bei Hinzuziehung der Ergebnisse der Mehrheitswahlen (in zahlreichen kleineren Kommunen) sank der Anteil auf die beschriebenen 15,8%. Die Verwirrung ergab sich, da die 15,8% 2004 nicht veröffentlicht, sondern immer auf 18,7% verwiesen wurde.






