Noch bis heute findet in Dortmund die erste Bundesdelegiertenversammlung (BDK) der Grünen statt. In drei Tagen wurden das Programm abgestimmt und 25 Kandidaten zur Europawahl gewählt. Das andere Parteien Europa in wenigen Stunden abfeiern, sei nur mal am Rande erwähnt. Jede BDK ist sowas wie ein großes Familientreffen. Viele Grüne, die man sonst nur aus Arbeitszusammenhängen kennt, bekommen Gesichter und Geschichten.
Als Daheimgebliebener stellt sich mir heute aber eine Frage: Welchen Nutzwert hätte mir persönlich eine Teilnahme überhaupt gebracht? Über das Internet, besonders über Blogs und Twitter war ich wohl nie besser über Abläufe, Diskussionen und Hintergründe informiert. Dazu bot der Bundesverband auch einen (noch deutlich verbesserungsbedüftigen) Livestream an und stellte alle Entscheidungen promt online.
Besonders bemerkenswert war das rege getwitter vom Parteitag. Nicht nur der Bundesverband war sekundenschnell mit Wahlergebnisse zur Hand, auch eine ganze Menge Delegierter berichteten aus ihrer Sicht über die Vorgänge. Ich konnte mich vollkommen auf Volker Beck, Themroc (aka Lars Brücher), Malte Spitz, Ska Keller, Zeitrafferin (aka Julia Seeliger) und noch einige andere verlassen. Auch die Reformer- bzw Linkentreffen am Rande der BDK wurde fröhlich kommentiert. Ausführlichere Infos zum Vorgehen vor Ort gabs von de fünf Bloggern Bastian Dietz, Korbinian Deuchler, Achim Meißner, Heiner Otterstedt und Marcel Emmrich. Sie konnte auf Kosten und mit Unterstützung des Bundesvortandes ihre Eindrücke des Parteitages in ihrem persönlichen Blog darlegen. Das alle 5 auch twittern, muss ich wohl nicht noch extra erwähnen.
Also was wäre der Nutzwert einer Teilnahme für mich gewesen? Ich hätte vielleicht schon mehr Informationen zum geplanten Mitglieder- und Interessiertennetz des Bundesverbandes. Die Betaversion dazu startet im Februar, offizieller Launch ist am 1. März. Wie viel mehr Information könnte man mir dort offline bieten? Vielleicht hätte ich noch ein paar mehr Grüne aus Rheinland-Pfalz zum twittern bringen können. Aber auch ohne mich haben es die Grünen Bad Kreuznach und Claudia Laux geschafft und sich eigene Accounts zugelegt. Und unser Twitter-Account des Landesverbandes hat an diesem Wochenende fast ein Dutzend neue Follower gefunden.
Und der Familiencharakter? Hier hängts noch irgendwie mit dem 2.0. Weder wurde von den Nachbesprechungen bei Bier und Wein getwittert, noch stellte sich am Bildschirm ein Gemeinschaftsgefühl ein. Weniger schmerzlich vermisse ich aber den morgendlichen Kater, der sich regelmäßig vormittags in der Halle eingestellt hatte.
Vielleicht teste ich bei der kommenden BDK nochmal die andere Perspektive und entscheide dann: BDK, persönlich oder virtuell?
p.s. ein wirklich interessanter Eintrag von Bastian Dietz möchte ich besonder erwähnen: “Zentrum, nicht mehr Beiboot”: Grüne bereiten sich auf Online-Wahlkampf vor
25. Januar 2009 at 16:02
Mal eine Frage. Wieso heißt die Bundesdelegiertenversammlung abgekürzt BDK?
25. Januar 2009 at 16:07
Hhhmm, wahrscheinlich weil ich die Bundesdelegiertenkonferenz dummerweise immer falsch als Bundesdelegiertenversammlung tituliere. Wieso müssen auch bei den Grünen immer solche Wortungetüme gelten? Bundesparteitag könnte ich mir besser merken…